Kriminalitätsbekämpfung

Arzneikriminalität: Der Handel mit gefälschten Medikamenten

Seit Inkrafttreten des Arzneimittelgesetzes 2013 steigt der Handel mit gefälschten Arzneimitteln. Oft sind die Medikamente überdosiert oder chemisch verunreinigt und daher stark gesundheitsgefährdend.

Bei Arzneikriminalität unterscheidet man zwischen Arzneimittelfälschungen und illegalen Arzneimitteln. Illegale Arzneimittel sind Medikamente, die in Österreich oder in Europa keine Zulassung haben, aber die Inhaltsstoffe aufweisen welche auf der Außenverpackung bzw. der Gebrauchsanweisung vermerkt sind. Anders ist das bei den gefälschten Arzneimitteln, diese enthalten die angegebenen Wirk- bzw. Inhaltsstoffe oder die angegebenen Dosierungen nicht. Eine Arzneimittelfälschung liegt auch vor, wenn Begleitdokumente, Verpackung oder Ein- und Ausfuhrpapiere gefälscht sind. Der Handel mit illegalen Arzneimitteln ist eine Verwaltungsübertretung, der Handel mit gefälschten Arzneimitteln hingegen, ist gerichtlich strafbar.

Hauptsächlich werden sogenannte Lifestyleprodukte wie etwa Potenzmittel oder Kapseln zur Gewichtsreduktion gefälscht. Häufig werden derartige Produkte über seriös erscheinende Webseiten angeboten, wobei sogar angegeben wird, dass es sich um einwandfreie Originalprodukte handelt. Die Gründe warum Kunden Arzneimittel im Internet bestellen sind vielseitig. Dabei spielen die Kosten eher eine untergeordnete Rolle. Ein Grund warum sich viele Konsumenten zum Kauf im Internet entschließen, ist die umgangene Rezeptpflicht und die Anonymität im Internet, besonders bei Potenzmitteln. Mit ein paar Mausklicks auf einer Internetseite bleiben einem diese Peinlichkeiten erspart. Männer, die aus Experimentierfreude potenzfördernde Präparate einnehmen wollen, können sie nur auf dem Schwarzmarkt erwerben, da diese Medikamente rezeptpflichtig sind. Das Internet ist aber nicht die einzige Verkaufsstelle, denn unter der Hand können präparierte Medikamente überall erworben werden. Die Fälschungen sind von den Originalen nur von einem Fachmann zu unterscheiden.

Für großes Aufsehen sorgte ein internationales Ermittlungsverfahren im Jahr 2014 des Bundeskriminalamtes in Zusammenarbeit mit den deutschen, französischen, spanischen und UK - Behörden, bei dem über 1,5 Millionen gefälschte Potenzmittel sichergestellt werden konnten.

Organisierte und strukturierte Tätergruppen stecken hinter dem Handel mit gefälschten Arzneimitteln. Zumeist erfolgt die Herstellung der Fälschungen im asiatischen Raum unter teilweise sehr unhygienischen Bedingungen. Die Präparate sind stark gesundheitsgefährdend. Treffen die Produkte in Österreich ein, haben sie oft lange Reisen auf unterschiedlichen Transportmitteln hinter sich, um so deren Herkunft zu verschleiern. Die Gefahr besteht außerdem in dem derzeitigen Anstieg von gefälschten, hochpreisigen Arzneimittel. Dringend benötigte, häufig lebensnotwendige, sehr teure Krebsmedikamente werden gefälscht und erreichen den ahnungslosen Patienten.

Die gefälschten Medikamente gelangen auch vermehrt in den Dopinghandel. Bei den meisten sichergestellten Dopingsubstanzen handelt es sich um gefälschte Arzneimittel. Der Wirkstoff dazu wird über das Internet billig eingekauft und in sogenannten Untergrundlabors unhygienisch behandelt. Oftmals werden Arzneimittel oder Dopingpräparate als falsch deklariertes Produkt nach Europa eingeführt.

In Österreich ist im Bundeskriminalamt, Büro zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, das Referat zur Bekämpfung der Arzneimittel- und Dopingkriminalität, sowie des Wettbetruges als zentrale Ansprechstelle zuständig. Unterstützt werden die fünf Beamtinnen und Beamten durch die neun Landeskriminalämter. Aufgrund dieser globalen Kriminalitätsentwicklung ist eine enge Kooperation und stetiger Informationsaustausch mit den internationalen Strafverfolgungsbehörden als auch Europol und Interpol unbedingt notwendig.

Artikel Nr: 16900 vom Montag, 8. April 2019, 10:05 Uhr
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