Internationales
3.744 Festnahmen weltweit: Operation Liberterra III zeigt Wirkung – auch in Österreich
Von 10. bis 21. November 2025 wurden im Rahmen der Operation Liberterra III umfangreiche Kontrollen und Ermittlungen im Zusammenhang mit Schlepperei und Menschenhandel in 119 Ländern durchgeführt. Ein Bediensteter des Bundeskriminalamtes (BK) unterstützte die operative Koordinierungseinheit in England.
Im Rahmen der globalen Operation wurden nach ersten Angaben der teilnehmenden Länder bisher 3.744 Verdächtige festgenommen - darunter mehr als 1.800 Personen aufgrund von Menschenhandels- und Schleuserkriminalität. Insgesamt konnten rund 4.400 potenzielle Opfer von Menschenhandel identifiziert und geschützt werden sowie rund 13.000 irreguläre Migrantinnen und Migranten aufgedeckt werden. Interpol hat diese Schwerpunktaktion sowohl organisiert als auch koordiniert.
Darüber hinaus leiteten die Behörden insgesamt mehr als 720 neue Ermittlungsverfahren ein, von denen viele noch andauern. Während der Operation waren mehr als 14.000 Bedienstete der Strafverfolgungsbehörden im Einsatz, die Überwachungsmaßnahmen an Brennpunkten durchführten, gezielte Razzien umsetzten und ihre Grenzkontrollen verstärkten.
Operation Liberterra III in Österreich
In Österreich fand die operative Phase der Operation von 10. November bis 14. November 2025 statt. In den Bundesländern gab es vermehrt Kontrollen an den Grenzübergängen und entlang der Hauptverkehrsrouten. Internationale Flugverbindungen wurden verstärkt kontrolliert. Zudem wurden Maßnahmen durch Erhebungen, Befragungen und Vernehmungen von illegal eingereisten Personen durchgeführt, die zur Identifizierung von Mitgliedern von Schleppergruppierungen und zur Identifizierung von Opfern des Menschenhandels beitrugen.
Für die teilnehmenden europäischen Länder wurde eine "Operational Coordination Unit" (OCU) in England eingerichtet, welche die nationalen und internationalen Erkenntnisse und Informationen zur Schlepperei und zum Menschenhandel vor Ort abgeglichen und koordiniert hat. Österreich war dort mit einem Bediensteten des Bundeskriminalamtes aus dem Büro "Schlepperei, Menschenhandel und Grenzüberschreitendem Prostitutionshandel" vertreten.
Während der operativen Phase wurden in Österreich insgesamt
• 123 illegale Migrantinnen und Migranten aufgegriffen (Hauptnationalitäten: Afghanistan, Ägypten, Bangladesch, Eritrea, Irak, Marokko, Pakistan, Syrien und Türkei)
• zwei Festnahmen wegen Schlepperei sowie
• zwei Festnahmen wegen Suchtmittelhandel in Kärnten vollzogen.
Ermittlungsverfahren zur Schlepperei in Österreich
Am 11. November 2025 informierte ein italienischer Verbindungsbeamter eine österreichische Dienststelle darüber, dass sich mutmaßlich drei Personen in einem Lokal in Wien aufhalten würden. Diese standen im Verdacht, an einer Schleppung mit einem Schlauchboot von Frankreich nach Großbritannien beteiligt gewesen zu sein, die sich am 6. November 2025 ereignet hatte. Bei diesem Vorfall soll eine Person ertrunken und eine weitere als vermisst gemeldet worden sein. Im Zuge derer sei eine Person ertrunken und eine weitere würde als vermisst gemeldet sein. Die drei Personen konnten im Lokal angetroffen und kontrolliert werden, wobei sich zwei irakische Staatsbürger nicht rechtmäßig in Österreich aufhielten und wegen illegaler Einreise festgenommen wurden. Die dritte Person hielt sich rechtmäßig im Bundesgebiet auf. Die beiden irakischen Staatsbürger wurden am nächsten Tag aus der Verwaltungshaft entlassen und leiteten erste Gespräche für eine Rückkehr in den Irak ein.
Im Zuge weiterer Erhebungen und einem internationalen Informationsaustausch bestätigte sich, dass die drei Personen an der angeführten Schleppung beteiligt waren, weshalb die zuständige Staatsanwaltschaft in Frankreich drei europäische Haftbefehle ausgestellt hat. Am 14. November 2025 konnten die beiden irakischen Staatsbürger in einem Hotel in Wien festgenommen werde. Die dritte Person wurde in den Niederlanden verhaftet.
Globale Ergebnisse der Operation Liberterra III
• Betrugsmaschen im Zusammenhang mit Menschenhandel stellen in Asien und Afrika weiterhin ein ernstes Problem dar. Dank verbesserter Ermittlungs-, Aufdeckungs- und Überprüfungsmechanismen konnten jedoch mehr Täter festgenommen und Hunderte Opfer in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden.
• Fälle mit südamerikanischen und asiatischen Opfern in Afrika deuten auf eine sich verändernde Dynamik des Menschenhandels hin, die im Gegensatz zu den historisch beobachteten Mustern steht, bei denen afrikanische Opfer ins Ausland verschleppt wurden.
• Die Migrationsmuster in Amerika haben sich weitgehend umgekehrt, sodass südamerikanische Staatsangehörige nun über Mittelamerika nach Süden reisen.
• Die Behörden nutzen zunehmend Online-Überwachung, um Menschenhandels- und Schleusernetzwerke aufzuspüren und zu verfolgen.
• Menschenhandel und Migrantenschmuggel sind weiterhin eng mit Straftaten wie Dokumentenfälschung, Geldwäsche und Drogenhandel verbunden.
• Über die Seewege des Atlantiks und des Mittelmeers besteht weiterhin ein hoher Migrationsdruck, vor allem aus West- und Nordafrika in Richtung Europa.
Betrugsmaschen in Verbindung mit Menschenhandel
Die Behörden führten mehrere Maßnahmen gegen mutmaßliche Betrugszentren in Asien durch, insbesondere in Myanmar. Dort wurden bei einer einzigen Razzia etwa 450 Arbeiterinnen und Arbeiter entdeckt. Es wurden elektronische Geräte beschlagnahmt, die mit Betrugsaktivitäten in Verbindung standen, darunter 18.800 Mobiltelefone und rund 300 Computer. Die Behörden konzentrierten sich auch auf die Überprüfung und Rückführung von Hunderten potenzieller Opfer von Menschenhandel, darunter eine Gruppe von 125 indischen Staatsangehörigen.
In Zentral- und Westafrika meldeten Behörden in sieben Ländern umfangreiche Maßnahmen gegen pyramidenartige Menschenhandelsnetzwerke. Das führte zur Rettung von mehr als 200 Opfern und zur Zerschlagung mehrerer Rekrutierungs- und Ausbeutungszentren. Diese Machenschaften bestehen darin, Opfer unter dem Vorwand einer Arbeit im Ausland zu rekrutieren, ihnen exorbitante "Rekrutierungsgebühren” in Rechnung zu stellen und sie dann zu zwingen, Freunde oder Familienmitglieder zu rekrutieren, um im Gegenzug bessere Bedingungen zu erhalten.
Gefährliche Seemigration
Im Zuge der Operation Liberterra III haben die Behörden mehrere hochriskante Seereisen von großen Gruppen von Migrantinnen und Migranten in überfüllten Booten mit minimaler Sicherheitsausrüstung abgefangen. Bei einer einzigen Abfangaktion wurden 245 Migranten aus Senegal aufgegriffen. Weitere Fälle wurden vor den Küsten von Guinea-Bissau, Marokko und Algerien registriert.