Allgemeines
Referenzlabor Daktyloskopie: Tatortspuren sichtbar machen
Angesiedelt im Tatortbüro im Bundeskriminalamt (BK) obliegt dem Referenzlabor Daktyloskopie die bundesweite fachliche Aufsicht über die zehn Tatortlaboratorien in den Landeskriminalämtern (LKAs).
Breit gefächertes Aufgabenspektrum durch Akkreditierung
Aufgrund eines EU Rahmenbeschlusses sind alle Fingerspurenlaboratorien seit Ende 2015 zur Akkreditierung verpflichtet. Österreich entschied sich dafür, eine Multistandort Akkreditierung nach ISO 17025 umzusetzen. Das Referenzlabor Daktyloskopie fungiert daher als Zentrallabor, dass bundesweit die technisch fachlichen Vorgaben definiert und die übergeordnete Verantwortung für die LKA Tatortlabore trägt.
Die Akkreditierung verlangt zum Beispiel auch, dass alle qualitätsrelevanten Geräte regelmäßig geprüft werden, die Bediensteten fortlaufend geschult werden und die Labore an Ringversuchen teilnehmen. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird unter anderem durch externe Audits der Akkreditierung Austria kontrolliert.
Um diese Anforderungen erfüllen zu können, müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Referenzlabors ihr Wissen und ihre Expertise stehts auf höchstem Niveau halten. Das Team nimmt daher an internationalen Arbeitsgruppen und Kooperationen teil, führt Forschungs und Versuchsreihen sowie verpflichtende Validierungen durch und bewertet bereits bestehende Verfahren und Technologien neu. Darüber hinaus unterstützt das Referenzlabor die zehn LKA Labore bei fachlichen Entscheidungen und Problemstellungen.
Finger- und DNA-Spuren mit chemischen und physikalischen Verfahren erkennbar machen
Üblicherweise erhält das Referenzlabor von der ermittelnden Dienststelle einen Untersuchungsantrag, der vorgibt auf welche Spurenarten das Untersuchungsmaterial analysiert werden soll. Wenn mehrere Spurenarten zu sichern sind, spricht sich das Referenzlabor mit anderen involvierten Fachreferaten im Bundeskriminalamt ab, um die bestmögliche und spurenschonendste Untersuchungsreihenfolge festzulegen. Das Referenzlabor entscheidet letztendlich aber selbst welche Methoden zur Sichtbarmachung der Fingerspuren und zur Sicherung der DNA-Spuren angewendet werden.
Das Referat gibt österreichweit die anwendbaren Methoden und die Arbeitsweisen vor. Momentan sind über 40 verschiedene chemische Verfahren im Einsatz. Einige der wichtigsten zur Sichtbarmachung von Fingerspuren sind:
• Das Cyanacrylat-Verfahren findet bei nicht-saugenden Oberflächen seine Anwendung. Hier wird "Sekundenkleber" zur Sichtbarmachung der Fingerspur genutzt.
• Die Methoden Indandion/Zink und Ninhydrin werden oftmals bei saugenden Oberflächen angewandt, da sie Aminosäuren einfärben, die Bestandteile von Fingerabdrücken sind.
• Die Hochvakuum-Metallbedampfung wird in der Regel für nass gewordene oder schwierige Spurenträger verwendet. Dadurch werden Fingerspuren durch das Aufdampfen von sehr feinen "Metallschichten" sichtbar gemacht.
Das Referenzlabor hat ein über die 40 genannten Verfahren hinausgehendes Methodenspektrum, das bei Bedarf angeboten wird – beispielsweise bei besonderen Fallakten.
Herausforderungen erfolgreich meistern
Da ständig neue Spurenträgermaterialien relevant werden, auf denen Finger- und DNA-Spuren zu sichern sind, steht das Referenzlabor regelmäßig vor neuen Herausforderungen. Je nach Spurenträgerbeschaffenheit bedarf es unterschiedlicher Sichtbarmachungsverfahren für Fingerspuren. Es gilt herauszufinden welche Methoden am besten geeignet sind und wann welche Methode in welcher Reihenfolge angewandt werden kann – ohne, dass andere Spuren geschädigt werden.
Wenn das Referenzlabor neue Verfahren findet, bereits bestehende verbessert, Arbeitsabläufe optimiert oder allgemeine Problemstellungen löst, wirkt sich das auf die Möglichkeiten aller Laboratorien aus. Auf diese Weise können mehr Fingerspuren gefunden werden und auch qualitativ hochwertigere. Das erhöht im Umkehrschluss die Aufklärungsrate. Die Ergebnisse von Methodentestungen und Forschungsarbeit des Referenzlabors haben also eine multiplikative Wirkung auf alle Tatortlaboratorien in Österreich.
Österreichs Bildung: Aus- und Fortbildungen
Das Referenzlabor nimmt regelmäßig an diversen nationalen und internationalen Arbeitsgruppen, Expertengruppen, Konferenzen und Schulungen teil, um einerseits der durch die Akkreditierung auferlegten Fortbildungspflicht nachzukommen und andererseits das hohe Niveau genauso in Schulungen für die LKAs beizubehalten.
Durch den regelmäßigen Austausch mit internationalen Expertinnen und Experten hält das Referenzlabor sein Methodenrepertoire modern und effizient. Im wissenschaftlich-forensischen Feld werden laufend neue Verfahren entwickelt und publiziert. Diese werden vom Referenzlabor laufend auf Praxistauglichkeit getestet, stellen sich diese als besser geeignet heraus, werden sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den LKA-Laboratorien geschult und fortan eingesetzt.
Alle zwei Jahre erstellt das Referenzlabor einen Ringversuch für die LKA-Laboratorien, der im Anschluss vom Referat selbst ausgewertet und in einem Abschlussbericht zusammengefasst wird. Auf diese Weise können etwaige qualitative Abweichungen österreichweit rasch festgestellt und korrigiert werden.
International vernetzt durch Kooperationen und Projekte
Das Referenzlabor nimmt bei Bedarf geeignete Bachelor- oder Masterstudierende von Universitäten oder Fachhochschulen für eine gemeinsame Zusammenarbeit über mehrere Monate auf. Die Studierenden bearbeiten dann für das Referat fachlich relevante Themen, wovon beide Seiten gleichermaßen profitieren. Die letzte Kooperation hat sich beispielsweise mit der Sichtbarmachung von Spuren auf Klebematerialien und Ablöseverfahren beschäftigt.
Das Referat nimmt regelmäßig an internationalen Expertenarbeitsgruppen (EG) teil. Derzeit wirkt es zum Beispiel an der vom Bundeskriminalamt Wiesbaden geleiteten und von der EU geförderten EG Basic Yellow mit. Expertinnen und Experten optimieren hierbei ein bereits bestehendes Verfahren zum nachträglichen Einfärben von Fingerspuren, die mit Cyanacrylat sichtbargemacht wurden. Besteht nach einer Cyanacrylat-Behandlung zu wenig Kontrast, eignet sich in vielen Fällen Basic Yellow für die Nachfärbung der Spur. Eine zuvor nicht brauchbare Spur kann so möglicherweise zu einer verwertbaren Spur gemacht werden.