Internationales
Operation SHIELD VI: 3.354 Personen bei internationaler Aktion strafrechtlich verfolgt
Von April bis November 2025 beteiligte sich Österreich gemeinsam mit 29 weiteren europäischen Staaten an der internationalen Schwerpunktaktion "Operation SHIELD VI" zur Bekämpfung des illegalen Handels mit Arzneimitteln und Dopingmitteln. Insgesamt wurden 3.354 Personen strafrechtlich verfolgt und illegale Produkte im Wert von rund 33 Millionen Euro sichergestellt.
Die Aktion wurde von Europol koordiniert, unterstützt wurde sie unter anderem durch das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF), das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO), Frontex, INTERPOL sowie die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).
Umfangreiche internationale Ergebnisse
Im Zuge der Operation SHIELD VI wurden europaweit:
• 5.517 Anti-Doping-Kontrollen im Wettkampf sowie
• 5.916 Anti-Doping-Kontrollen außerhalb von Wettkämpfen durchgeführt,
• 4.186 Inspektionen vorgenommen,
• 907 neue Ermittlungen eingeleitet,
• 43 organisierte kriminelle Gruppen untersucht,
• 233 Webseiten abgeschaltet und 66 weitere überwacht,
• zehn Montagestätten und fünf illegale Labore beschlagnahmt.
Die Maßnahmen richteten sich insbesondere gegen ge- und verfälschte Arzneimittel, illegale Lebens- und Sportnahrungsergänzungsmittel, gefälschte Hygieneartikel und Medizinprodukte sowie gegen den Handel mit anabolen androgenen Steroiden und anderen leistungssteigernden Substanzen.
Der Gesamtwert der beschlagnahmten Gegenstände beläuft sich auf 33.167.423 Euro.
Im Rahmen der OP SHIELD VI wurden folgende Medikamente sichergestellt:
• 139.116 illegale Verpackungen
• 3.285,14 kg Pulver/Rohmaterial
• 924,33 Liter an Wirkstoffen
• 3.219.952 Tabletten/Pillen
• 916.173 Fläschchen/Ampullen
Dopingsubstanzen:
• 298.594 illegale Pakete
• 2.315 kg Pulver/Rohmaterial
• 4.110 Liter an Wirkstoffen
• 4.587.835 Tabletten/Pillen
• 1.170.383 Fläschchen/Ampullen
Im Zuge der internationalen Operation wurden zudem 71.610 Packungen an Medizinprodukten und 48.531 Packungen an Nahrungsergänzungsmitteln sichergestellt. Des Weiteren beschlagnahmten die Behörden bei Polizeirazzien 17.389 Packungen von illegal verschriebenen Medikamenten, 13.050 Euro in bar und mehrere Waffen.
Erfolg auch in Österreich
In Wien wurde durch das zuständige Fachreferat im Bundeskriminalamt ein konspirativ betriebenes Untergrundlabor aufgedeckt, in dem anabole Steroide und sogenannte SARMs (Selektive Androgenrezeptor-Modulatoren) unter nicht sterilen Bedingungen von Laien abgefüllt, verkapselt, etikettiert und für den europaweiten Versand vorbereitet wurden. Die illegalen Produkte wurden von Österreich aus nach Deutschland, Tschechien, Italien, Spanien, in die Schweiz sowie in weitere Staaten versandt.
Auf Grundlage einer richterlich bewilligten Hausdurchsuchung stellten die Ermittlerinnen und Ermittler die verbotenen Substanzen in Großgebinden (Säcke, Kanister) sicher. Zusätzlich wurden umfangreiche Produktions- und Verpackungsmaterialien beschlagnahmt, darunter Millionen leerer Kapseln, Streckmittel, Pipetten, Etikettenrollen samt Drucker sowie Kapselfüllmaschinen. Die Rohsubstanzen, Hilfsstoffe und Verpackungsmaterialien waren zuvor aus Großbritannien nach Österreich geliefert worden.
Die vorläufige Auswertung der sichergestellten elektronischen Beweismittel belegt bereits den Versand von 3.602 Flaschen verbotener SARMs, darunter MK-677 (Ibutamoren), MK-2866 (Ostarine), RAD-140 (Testolone) und Dianabol. Diese Substanzen sind gemäß der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) der Kategorie S1 (anabole Stoffe) zugeordnet und sowohl im als auch außerhalb des Wettkampfs untersagt. Die gesetzlich festgelegte Grenzmenge nach der Anti-Doping-Grenzmengenverordnung wurde um das 100.000-Fache überschritten; der potenziell erzielbare Umsatz liegt knapp unter einer Million Euro. Die Beschuldigten wurden bei der Staatsanwaltschaft Wien angezeigt
Gefahr für die öffentliche Gesundheit
Die Operation verdeutlicht die erheblichen Risiken durch gefälschte Arzneimittel. Besonders besorgniserregend sind Fälschungen auf Semaglutid-Basis, die als Schlankheitsmittel vertrieben werden, sowie Präparate mit hochpotenten synthetischen Substanzen wie Nitazenen, die legitimen Opioiden ähneln. Der Konsum solcher Produkte kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
Arzneimittelkriminalität gefährdet die öffentliche Gesundheit, unterwandert legale Lieferketten und finanziert organisierte Kriminalität. Soziale Medien, Online-Marktplätze und das Dark Web spielen dabei eine zentrale Rolle.
Im Jahr 2025 intensivierten Europol, das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) und die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ihre Zusammenarbeit zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und zur Stärkung koordinierter Strafverfolgungsmaßnahmen.