Sonstiges
Operative Fallanalyse (OFA): Serviceleistung bei komplexen Sachverhalten
Bei der Fallanalyse handelt es sich um ein kriminalistisches Werkzeug, das bei Gewaltdelikten sowie anderen Fällen von besonderer Bedeutung ist. Auf Grundlage objektivierbarer Daten und möglichst umfassender Informationen zu Tat und Opfer wird das Fallverständnis vertieft, mit dem Ziel ermittlungsunterstützende Hinweise zu erarbeiten.
Im standardisierten Analyseprozess wird versucht, aufbauend auf einer möglichst hypothesenfreien Rekonstruktion von Tatabläufen fallspezifische Aussagen abzuleiten, Motive zu bewerten und gegebenenfalls Aussagen zum (unbekannten) Täter zu treffen. Das Fallanalyseergebnis ist dazu bestimmt Ermittlungsstränge oder Verdächtige zu priorisieren. Die Grundprinzipien der Fallanalyse sind Objektivität, Teamansatz, Schriftform und heuristische Grundprinzipien.
Zur Wahrung der Unabhängigkeit findet die operative Fallanalyse abgesetzt von den Ermittlungen statt. Das erzielte Ergebnis dient der Unterstützung der Ermittlungen der auftragsgebenden Dienststelle.
Das Aufgabenspektrum der Unterstützungsleistung umfasst Tötungs-, Sexual-, und Seriendelikte wie beispielsweise Serienbrandstiftungen und Bedrohungslagen. Ebenso sind vom Aufgabenspektrum Sachverhalte umfasst, bei denen durch die Anwendung fallanalytischer Methoden im Hinblick auf inkriminiertes Verhalten, Täterkommunikation und biografische Begebenheiten zusätzliche Erkenntnisse gewonnen und die Ableitung von/und taktischer Unterstützung ermöglicht wird.
Ergebnis der Fallanalyse: Wahrscheinlichkeitsaussagen
Der Kern der operativen Fallanalyse ist die Erarbeitung und Bewertung von Tathergang, fallspezifischen Parametern, Chronologie der Ermittlungserkenntnisse und dem Täterprofil. Die Durchführung von operativen Fallanalysen erfolgt im Rahmen einer methodisch strengen Bewertung des jeweils vorliegenden Informationsmaterials. Dazu zählen zum Beispiel der Obduktionsbericht, Sachverständigengutachten, der Tatortbefund, Lichtbilder, Ermittlungsergebnisse, das Opferbild, Kommunikationsdaten und ähnliches.
Beim Fallanalyseergebnis handelt es sich um eine Wahrscheinlichkeitsaussage auf der Basis des zum Zeitpunkt der Analyse vorliegenden fallanalytisch relevanten Informationsmaterials. Die Informationsquantität ist bei "ausermittelten" Fällen (Cold Cases) naturgemäß höher als bei einer sehr zeitnahen Einbindung der operativen Fallanalyse.
Teamwork makes the dream work
Fallanalysen finden immer im Team statt. Wesentliche Vorteile des Teamansatzes bestehen insbesondere in der Funktion der Gruppe als Korrektiv, der Bündelung von Wissen, der Vielfalt der Hypothesenbildung und Objektivierung der Hypothesenprüfung. Das Team besteht aus mindestens einer verantwortlichen Fallanalytikerin oder einem Fallanalytiker und zwei fallanalytisch ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Team kann nach Belieben erweitert werden.
Fallanalytische Werkzeuge in Verbindung mit der OFA:
• Tathergangsanalyse
Die Tathergangsanalyse besteht aus der Rekonstruktion des Tathergangs sowie der Bewertung der Tatsituation, wobei die Rekonstruktion des Tathergangs zwingend vor der Bewertung der Tatsituation zu erfolgen hat. Dazu werden die benötigten Fallinformationen beigeschafft, bewertet und verdichtet.
Die Rekonstruktion des Tathergangs erfolgt entlang des chronologischen Verlaufs der Tat. Die Bewertung der Tatsituation umfasst die Prüfung von Verfügbarkeit und Geeignetheit des Opfers sowie die Bewertung von Tatgelegenheit und Tatentschluss.
• Fallanalytische Biografieanalyse
Polizeiliche Sachverhalte, in denen biografische Verläufe von tatverdächtigen Personen oder Personen mit Gefährdungspotenzial im Hinblick auf Anordnung und Durchführung polizeilicher Maßnahmen zu bewerten sind, bilden das Anwendungsfeld der Fallanalytischen Biografieanalysen. Dazu zählt beispielsweise die Vernehmungsstrategie.
• Fallanalytische Kommunikationsanalyse
Das Anwendungsfeld der Fallanalytischen Kommunikationsanalyse bilden polizeiliche Sachverhalte, in denen Kommunikation beispielsweise in Form von Droh- oder Erpressungsschreiben von Tatverdächtigen oder Personen mit Gefährdungspotenzial im Hinblick auf Anordnung/Durchführung polizeilicher Maßnahmen zu bewerten ist.
• Vergleichende Fallanalyse
Im Rahmen der Vergleichenden Fallanalyse werden Übereinstimmungen zwischen mehreren Fällen geprüft, die zuvor einer Einzelfallanalyse unterzogen wurden. Dieses fallanalytische Werkzeug wird bei Serienfällen verwendet.
Das Ergebnis der Fallanalyse wird der auftragserteilenden Dienststelle mündlich und schriftlich dargestellt. Auftraggeber kann jede Polizeidienststelle des BMI sein.