Internationales

Internationaler Erfolg gegen Online-Kindesmissbrauch: 373.000 Seiten offline

Im Rahmen einer groß angelegten internationalen Strafverfolgungsoperation ist es Behörden aus 23 Ländern gelungen, eines der größten bekannten Netzwerke betrügerischer Plattformen im Darknet zu zerschlagen. Die unter deutscher Leitung und mit Unterstützung von Europol durchgeführte "Operation Alice" führte zur Abschaltung von mehr als 373.000 Darknet-Webseiten sowie zur Identifizierung hunderter Verdächtiger weltweit.

Umfangreiche Ermittlungen über mehrere Jahre

Die Ermittlungen begannen bereits Mitte 2021 und richteten sich zunächst gegen die Darknet-Plattform "Alice with Violence CP". Im Verlauf der fast fünfjährigen Untersuchung stellten die Behörden fest, dass der Betreiber ein weit verzweigtes Netzwerk betrügerischer Webseiten aufgebaut hatte. Diese dienten dazu, Material sexuellen Kindesmissbrauchs (CSAM) sowie Cybercrime-as-a-Service (CaaS)-Angebote zu bewerben.

Zwischen Februar 2020 und Juli 2025 betrieb der Verdächtige mehr als 373.000 sogenannte Onion-Domains im Darknet. Über 90.000 dieser Webseiten wurden gezielt genutzt, um vermeintliche Inhalte sexuellen Kindesmissbrauchs anzubieten. Tatsächlich handelte es sich jedoch um betrügerische Angebote: Die Nutzer wurden zur Zahlung aufgefordert, erhielten jedoch keine der versprochenen Inhalte.

Internationale Ergebnisse der "Operation Alice"

Die koordinierte Aktion vom 9. bis 19. März 2026 brachte bedeutende Ermittlungserfolge:
• Identifizierung des Haupttäters, der die Plattform betrieb
• Identifizierung von 440 Kunden weltweit
• Abschaltung von über 373.000 Darknet-Webseiten
• Beschlagnahmung von 105 Servern
• Sicherstellung zahlreicher elektronischer Geräte, darunter Computer, Mobiltelefone und Datenträger

Gegen mehr als 100 der identifizierten Nutzer laufen derzeit weitere Ermittlungen.

Ermittlungserfolge auch in Österreich

Auch in Österreich war die Operation erfolgreich. Das Bundeskriminalamt, insbesondere das Fachreferat für Sexualstraftaten und Kindesmissbrauch online, übernahm hierbei die bundesweite Koordinierung der Maßnahmen. Die operativen Ermittlungshandlungen wurden von den zuständigen Landeskriminalämtern durchgeführt.

Insgesamt konnten vier männliche Tatverdächtige im Alter zwischen 21 und 38 Jahren identifiziert werden – jeweils eine Person in Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol und der Steiermark. Bei den Verdächtigen handelt es sich um zwei österreichische Staatsbürger, einen bosnischen Staatsbürger sowie einen ungarischen Staatsbürger. Letzterer war in Tirol saisonal in einem Hotel beschäftigt. Hier wurde in enger Zusammenarbeit mit den ungarischen Behörden eine koordinierte Hausdurchsuchung sowohl in Österreich als auch in Ungarn durchgeführt.

Im Zuge der durchgeführten Hausdurchsuchungen wurden mehrere Datenträger sichergestellt, die nun einer umfassenden Auswertung unterzogen werden. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für weitere Ermittlungen.

"Das Bundeskriminalamt geht mit voller Härte gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Durch die enge internationale Zusammenarbeit ist es jetzt gelungen, kriminelle Netzwerke zu zerschlagen, die im vermeintlichen Schutz der Anonymität agiert haben. Mein Dank gilt allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen für ihren engagierten Einsatz", betont der Direktor des Bundeskriminalamtes, Andreas Holzer.

Täter und kriminelles Geschäftsmodell

Beim Hauptverdächtigen handelt es sich um einen 35-jährigen Mann mit Sitz in der Volksrepublik China. Nach Einschätzung der Ermittler erzielte er mit seinem Netzwerk Einnahmen von rund 345.000 Euro, basierend auf etwa 10.000 Kunden weltweit.

Die Plattform bot angebliche "Pakete" mit CSAM an, die nach Angabe einer E-Mail-Adresse und Zahlung in Bitcoin erworben werden konnten. Die Preise lagen zwischen 17 und 215 Euro und versprachen Datenmengen von wenigen Gigabyte bis zu mehreren Terabyte. Neben diesen Inhalten wurden auch andere illegale Dienstleistungen wie gestohlene Kreditkartendaten oder Zugänge zu fremden IT-Systemen beworben.
Die Ermittlungen ergaben, dass der Täter zeitweise bis zu 287 Server betrieb, davon 105 in Deutschland. Gegen ihn wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen.

Schutz der Opfer im Mittelpunkt und Fokus auch auf die Nutzer

Ein zentraler Aspekt der Operation war die Identifizierung der Kunden des Netzwerks. Durch die Zahlungsabwicklung wurden diese selbst zu Verdächtigen. Ermittler stuften insbesondere jene Personen als hochrelevant ein, die gezielt nach schwerwiegendem Material sexuellen Kindesmissbrauchs suchten.

Während der gesamten Ermittlungsdauer hatte der Schutz von Kindern oberste Priorität. Sobald Hinweise auf konkrete Gefährdungen vorlagen, griffen die Behörden unmittelbar ein.

Gemeinsamer Kampf gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern

Die Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch zählt zu den höchsten Prioritäten europäischer Sicherheitsbehörden. Neben operativen Maßnahmen betreibt Europol auch Initiativen zur Unterstützung von Opfern und zur Einbindung der Öffentlichkeit.

So wurde kürzlich die Plattform "Stop Child Abuse – Trace an Object" erweitert, auf der Bürgerinnen und Bürger Hinweise zu ungeklärten Fällen liefern können. Jeder Hinweis – auch kleinste Details – kann entscheidend sein, um Opfer zu identifizieren und zu schützen.

Darüber hinaus wurde im November 2025 die digitale Plattform "Help4U" gestartet. Sie richtet sich an Kinder und Jugendliche, die von Missbrauch oder Online-Gefahren betroffen sind, und bietet niedrigschwelligen Zugang zu Beratung, Informationen und Unterstützung.

Internationale Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Die "Operation Alice" unterstreicht die Bedeutung globaler Zusammenarbeit im Kampf gegen Cyberkriminalität und sexuelle Ausbeutung. Nur durch koordinierte Maßnahmen, den Austausch von Informationen und den Einsatz moderner Technologien können derartige Netzwerke effektiv bekämpft werden.

Artikel Nr: 30113 vom Freitag, 20. März 2026, 12:03 Uhr
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