Statistik & Berichte
Cyber Crime Report 2025: Cyberkriminalität auf hohem Niveau und Rückgang bei Erpressung im Internet
Mit 63.459 angezeigten Delikten bleibt die Cyberkriminalität in Österreich auch 2025 auf einem hohen Niveau. Während Internetbetrug leicht zurückging und bei Erpressungen im Internet ein deutlicher Rückgang verzeichnet wurde, nahmen Cyberangriffe im engeren Sinn zu. Gleichzeitig konnten in diesem Bereich mehr Straftaten geklärt werden.
Eine zentrale Herausforderung in der Digitalforensik bleibt die kontinuierlich steigende Menge an Daten. Im Jahr 2025 mussten die Forensikerinnen und Forensiker des Cybercrime-Competence-Center (C4) im Bundeskriminalamt insgesamt 1.743 Terabyte an elektronischen Beweismitteln auswerten.
Die rasante technische Entwicklung sowie die zunehmende Verwendung von Schutzmechanismen wie Verschlüsselungsverfahren stellen die digitale Forensik vor immer größere Herausforderungen. Um mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten, werden die Fähigkeiten und Kenntnisse der Expertinnen und Experten des C4 laufend weiterentwickelt.
"Die fortschreitende Digitalisierung verändert auch die Erscheinungsformen der Kriminalität und stellt die Polizei vor neue Herausforderungen. Um diesen Entwicklungen wirkungsvoll zu begegnen, setzt das Bundeskriminalamt als Innovationsmotor der österreichischen Kriminalpolizei auf moderne Technologien, spezialisierte Expertise und die laufende Weiterentwicklung seiner Ermittlungsmethoden. Mit dem Cybercrime-Competence-Center verfügen wir über umfassende fachliche und technische Expertise, um Cyberkriminalität konsequent und wirkungsvoll zu bekämpfen", betont Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes.
Mehr Cybercrime im engeren Sinn – mehr Straftaten geklärt
Bei Cyberangriffen, die sich unmittelbar gegen Informations- und Kommunikationssysteme richten, wurde 2025 ein Anstieg der Anzeigen um 8,6 Prozent verzeichnet. Die Zahl stieg von 20.246 Fällen im Jahr 2024 auf 21.988 Fälle im Jahr 2025.
Diese Entwicklung ist insbesondere auf vermehrte Anzeigen im Zusammenhang mit § 148a StGB (Betrügerischer Datenverarbeitungsmissbrauch) und § 225a StGB (Datenfälschung) zurückzuführen.
Gleichzeitig konnten deutlich mehr Straftaten geklärt werden: Die Zahl der geklärten Fälle stieg von 3.293 im Jahr 2024 auf 4.026 im Jahr 2025.
Internetbetrug bleibt größter Faktor
Internetbetrug bleibt zahlenmäßig der größte Faktor im Bereich der Cyberkriminalität und ist maßgeblich für das weiterhin hohe Anzeigenaufkommen verantwortlich. Nahezu die Hälfte der Internetdelikte entfällt auf Betrugsdelikte.
Gegenüber dem Jahr 2024 mit 31.768 Anzeigen wurde 2025 ein leichter Rückgang um 2,4 Prozent verzeichnet. Insgesamt wurden dem Bundeskriminalamt 31.001 Fälle von Internetbetrug gemeldet.
Besonders im Fokus stehen weiterhin hochkomplexe Formen des Investitionsbetrugs, allen voran der sogenannte Cyber-Trading-Fraud. Die Schadenssumme lag 2025 – ähnlich wie im Vorjahr – bei rund 120 Millionen Euro. Um diesem Deliktsfeld national wie international noch gezielter entgegenzutreten, wurde im Bundeskriminalamt eine eigene Ermittlungs- und Koordinierungsgruppe eingerichtet.
Auch der Einsatz künstlicher Intelligenz durch Kriminelle setzte sich 2025 fort. KI wird unter anderem zur Erstellung betrügerischer Deepfakes sowie zur Automatisierung und Professionalisierung komplexer Betrugsmodelle eingesetzt. Auch Phishing-Angriffe per E-Mail oder SMS blieben 2025 eine häufig eingesetzte Methode.
Anstieg anderer Online-Delikte – deutlicher Rückgang bei Erpressung
Zugenommen haben auch Delikte aus dem Bereich der sonstigen Kriminalität im Internet. Besonders hervorzuheben sind:
• § 27 SMG – Unerlaubter Umgang mit Suchtgiften: Anstieg um 354 auf insgesamt 1.116 angezeigte Fälle.
• § 107 StGB – Gefährliche Drohung: Anstieg um 242 auf insgesamt 1.714 angezeigte Fälle.
Eine positive Entwicklung zeigt sich hingegen bei Erpressungen im Internet. Die Zahl der Anzeigen ging gegenüber dem Vorjahr um 18,8 Prozent auf 2.380 Fälle zurück. Gleichzeitig konnte die Aufklärungsquote um 1,8 Prozentpunkte auf 9,6 Prozent gesteigert werden.
Organisierte Tätergruppen sind in diesem Deliktsfeld weiterhin überregional und transnational aktiv. Neben Massenerpressungsmails spielt insbesondere Sextortion – die sexuelle Erpressung im Internet – eine wesentliche Rolle.
Prävention und zielgruppengerechte Aufklärung als wesentliche Säulen
Neben der konsequenten Strafverfolgung sind Prävention und Sensibilisierung der Bevölkerung wesentliche Säulen im Kampf gegen Cyberkriminalität. Wer aktuelle Betrugsmaschen und Vorgehensweisen kennt, kann Gefahren frühzeitig erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen setzen.
Das Bundeskriminalamt arbeitet daher eng mit relevanten Stakeholdern aus der Privatwirtschaft zusammen und setzt gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern Präventions- und Informationsmaßnahmen um. Darüber hinaus beteiligt sich Österreich an internationalen Kampagnen und nationalen Präventionsprojekten, um aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse möglichst breit in die Bevölkerung zu tragen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf einer zielgruppengerechten Ansprache. Präventionsinhalte werden sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der verwendeten Kommunikationskanäle und Formate an unterschiedliche Bevölkerungsgruppen angepasst. Über Social Media können beispielsweise insbesondere jüngere Zielgruppen unmittelbar erreicht und für aktuelle Gefahren im digitalen Raum sensibilisiert werden. Andere Zielgruppen werden wiederum über entsprechend geeignete Informationsangebote und Präventionsformate angesprochen.
Auch Kinder und Jugendliche stehen besonders im Fokus der Präventionsarbeit. Das Büro für Kriminalprävention und Opferhilfe im Bundeskriminalamt bietet dafür das Präventionskonzept "UNDER18" an. Eine Säule davon bildet das Programm "Click & Check", das einen verantwortungsvollen und sicheren Umgang mit digitalen Medien fördern soll.
Handlungsempfehlungen des Bundeskriminalamtes
Mit einfachen Sicherheitsmaßnahmen lässt sich das Risiko, Opfer von Cyberkriminalität zu werden, deutlich reduzieren:
• Verwenden Sie starke und unterschiedliche Passwörter und aktivieren Sie, wo immer möglich, die Zwei-Faktor-Authentifizierung.
• Halten Sie Betriebssysteme und Programme aktuell, um bekannte Sicherheitslücken zu schließen.
• Verwenden Sie Antiviren-Software und Firewalls, um sich vor Schadsoftware und unerwünschten Netzwerkaktivitäten zu schützen.
• Prüfen Sie Online-Angebote, Nachrichten und Transaktionen kritisch auf ihre Seriosität. Seien Sie insbesondere bei unerwarteten Links, Zahlungsaufforderungen oder der Aufforderung zur Bekanntgabe persönlicher Daten vorsichtig.