Kriminalitätsbekämpfung
Der Einbruch im Keller hat immer Saison.
Kellerabteile sind für Kriminelle immer ein begehrtes Ziel. Sie sind meist einfach zugänglich und schlecht gesichert, obwohl Wertgegenstände von beachtlichen Summen hier lagern. Die Polizei verstärkt daher die Kontrollen und gibt Tipps.
In Österreich finden laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) Österreich mehr als doppelt so viele Einbrüche in Kellerabteile als in Wohnungen statt. Konkret musste die Polizei 2021 insgesamt 7.152 Anzeigen aufnehmen. Zum Vergleich: 2.700 Mal gerieten Wohnungen in das Visier von Einbrechern. Obwohl Einbrüche und Diebstähle in den beiden Corona-Jahre 2020 und 2021 stark zurückgegangen sind, blieben die Einbrüche in den Keller auf konstant hohem Niveau. Den höchsten Wert von über 1.000 Anzeigen pro Monat musste die Polizei im Lockdown-Monat November 2020 verzeichnen. Der Anteil der Kellereinbrüche an der gesamten Eigentumskriminalität ist bis Ende 2021 von fünf auf sieben Prozent angestiegen. Der protokollierte jährliche Gesamtschaden liegt bei rund acht bis zehn Millionen Euro.
Trend geht weiter nach oben
Eine Analyse der letzten vier Monate bis Februar 2022 zeigt einen erneuten Anstieg. Obwohl kein Bundesland – und hier vor allem die Ballungszentren – von dieser Tendenz ausgenommen bleibt, sind Wien, Oberösterreich und Salzburg derzeit am meisten betroffen. Für die Polizei stellt sich die Tatortarbeit in Kellerabteilungen als sehr schwierig heraus, es gibt kaum erfolgsversprechende Ermittlungsansätze. Einbrüche im Keller bleiben in vielen Fällen länger unentdeckt, da der Keller nicht jeden Tag besucht wird. Die Suche nach Spuren wird aufgrund vieler Gelegenheitspersonen erschwert, die Schutzmaßnahmen im Keller fallen oftmals schlechter aus. Darüber hinaus ist eine Fahndung nach einen gestohlenem Gut nicht möglich, da die Besitzer die Individualnummern der Wertsachen nicht notiert haben. Die Klärungsquote liegt daher leider nur bei rund zehn Prozent.
Daten und Fakten
60 Prozent der rund 7.100 Kellereinbrüche im Jahr 2021 konnten von den Tatverdächtigen vollendet werden, also erfolgreich Diebesgut entwendet werden. In den anderen 40 Prozent fanden die Täter meist keine Beute. Bei der Hälfte der vollendeten rund 4.000 Einbrüchen wurde zumindest ein Fahrrad entwendet. 2021 wurden also über 2.000 Fahrräder aus Kellerabteilen entwendet. Aus Fahrradabstellräumen, Garagen und sonstigen Abstellplätzen in Wohnhausanlagen werden jährlich nochmals so viele gestohlen. Das Fahrrad steht ganz oben auf der Liste der Einbrecher, gefolgt von Werkzeug, Maschinen, Geräten und Zubehör, Bekleidung und Sportartikel. Die Tatverdächtigen schlagen Großteils untertags zu, um auch einen unauffälligeren Abtransport der Beute sicherstellen zu können. Sie arbeiten allein oder in kleinen Teams. Die meisten Tatverdächtigen haben ihren Lebensmittelpunkt in Österreich, sind keine reisenden Täterschaften, weshalb die Anzeigen auch in Zeiten der Reisebeschränkungen durch die Covid-19-Maßnahmenverordnung nicht zurückgegangen sind. Zu den Nationalitäten der Tatverdächtigen zählen Österreich, Slowakei, Polen, Ungarn und Rumänien.
Schwerpunktmaßnahmen
Aufgrund dieser Entwicklung plant die Polizei in Österreich ab sofort Schwerpunktmaßnahmen mit eigenen Ermittlungsgruppen, setzt mehr Augenmerk auf die Spurenauswertung und bittet auch die Bevölkerung um Kontaktaufnahme bei verdächtigen Wahrnehmungen. "Die Landespolizeidirektionen setzen hier gezielte Schwerpunktmaßnahmen – in enger Kooperation zwischen Ermittlern in zivil und uniformierten Einsatzkräften. Gerade durch die Etablierung der Bereitschaftseinheiten im September 2021 können wir den Einsatz sehr flexibel gestalten und rasch auf Entwicklungen reagieren", so Innenminister Gerhard Karner.
Empfehlungen der Kriminalprävention
- Um die Sicherung der Gegenstände im Abteil noch zu verbessern, sollten Sie Fahrräder und andere wertvolle Gegenstände zusätzlich mit beispielsweise einem Schloss absichern.
- Notieren Sie die Individualnummern Ihrer Wertsachen (zum Beispiel Rahmennummer beim Fahrrad) in einem Eigentumsverzeichnis oder Fahrradpass. Gegenstände ohne Nummer fotografieren Sie am besten. Nur so kann im Falle eines Einbruchs die Polizei auch nach dem gestohlenen Gut fahnden.
- Achten Sie darauf Zugangstüren zu Kellerabteilen zu verschließen. Eine bloß zugezogene Türe ist kein Hindernis.
- Schließen Sie Kellerfenster bei Abwesenheit. Fenstergitter und andere Absicherungen können den Widerstand erhöhen.
- Sehen Sie in Ihrem Keller regelmäßig nach dem Rechten.
- Sprechen Sie hausfremde Personen an. Kontaktieren Sie bei Verdacht von strafbaren Handlungen die Polizei.
- Lassen Sie keine unangemeldeten Personen ins Haus und nützen Sie die Gegensprechanlage. Achten Sie in der Tiefgarage beim Ein- und Ausfahren, ob sich jemand Zutritt verschaffen will.
- Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn und machen Sie sie auf mögliche Probleme aufmerksam.
- Einbrüche und Einbruchsversuche melden Sie bitte der Polizei unter 133.
Wenn Sie Opfer eines Kellereinbruchs geworden sind, dann benachrichtigen Sie bitte umgehend die Polizei und verändern Sie nichts am Tatort. Danach verständigen Sie bitte Ihre Nachbarn und informieren Sie sie über den Einbruch.