Statistik & Berichte

Lagebericht 2025: Entwicklungen der Suchtmittelkriminalität in Österreich

Im Jahr 2025 ging die Zahl der Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz leicht zurück. Gleichzeitig zeigen die Sicherstellungen unterschiedliche Entwicklungen bei Cannabis, Kokain und synthetischen Suchtmitteln. Digitale Vertriebswege, verschlüsselte Kommunikation und die internationale Vernetzung von Tätergruppen bleiben für die kriminalpolizeiliche Arbeit von Bedeutung.

Anzeigen leicht gesunken
Im Jahr 2025 wurden österreichweit 36.801 Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz registriert. Das entspricht einem Rückgang um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Vergehen sank um 1,6 Prozent auf 33.539, jene der schwerwiegenderen Verbrechenstatbestände stieg um 1,6 Prozent auf 3.262 Anzeigen.

Im Zusammenhang mit Suchtmitteldelikten wurden insgesamt 2.293 Personen festgenommen. Rund 600 speziell ausgebildete Exekutivbedienstete sind österreichweit schwerpunktmäßig mit der Bekämpfung der Suchtmittelkriminalität befasst. Sie arbeiten auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene eng mit weiteren Polizeidienststellen, dem Zoll, der Justiz sowie nationalen und internationalen Partnerbehörden zusammen.

Bei der Altersstruktur setzte sich der rückläufige Trend bei jüngeren Tatverdächtigen fort. Weniger Anzeigen wurden insbesondere bei den 14- bis 24-Jährigen registriert. Die größte Gruppe der Tatverdächtigen bildeten nach wie vor Personen zwischen 25 und 39 Jahren.

Cannabis prägt weiterhin das Sicherstellungsbild
Cannabis blieb auch 2025 das mengenmäßig am häufigsten sichergestellte illegale Suchtmittel. Insgesamt wurden rund 2,84 Tonnen Cannabisprodukte sichergestellt, davon entfiel der überwiegende Teil auf Cannabiskraut. Zudem wurden österreichweit 290 Cannabisplantagen entdeckt. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der festgestellten Anlagen zurück. Die Ermittlungen zeigen zugleich, dass der Anbau teilweise in kleineren und weniger auffälligen Produktionsstätten erfolgt.

Bei Kokain belief sich die sichergestellte Menge auf rund 274,6 Kilogramm. Auch die Zahl der Anzeigen mit Kokainbezug nahm zu. Österreich ist innerhalb Europas sowohl Konsum- als auch Transit- und Verteilstaat. International vernetzte Tätergruppen organisieren Transport, Zwischenlagerung und Weiterverteilung und nutzen dabei teilweise legale Transport- und Unternehmensstrukturen zur Verschleierung ihrer Aktivitäten.

Die Untersuchungen sichergestellter Kokainproben zeigten weiterhin hohe Wirkstoffgehalte. Der Medianwert lag 2025 bei rund 81,5 Prozent. Die kriminaltechnischen Analysen liefern wichtige Hinweise auf Qualität, Herkunft und Zusammensetzung der gehandelten Substanzen.

Bei synthetischen Suchtmitteln wurden rund 37,2 Kilogramm Methamphetamin sowie 113.589 XTC-Tabletten sichergestellt. Österreich dient dabei vor allem als Bestimmungs- und Transitland. Die wichtigsten europäischen Produktionsstandorte liegen weiterhin außerhalb Österreichs. Auch Neue Psychoaktive Substanzen werden laufend beobachtet, da sich Wirkstoffe und Zusammensetzungen rasch verändern können.

Neben dem klassischen Straßenhandel spielen soziale Medien, Messenger-Dienste, geschlossene Chatgruppen, Paketversand und weitere digitale Vertriebswege eine zunehmende Rolle. Suchtmittel werden teilweise an vereinbarten Orten hinterlegt oder über Kurier- und Liefermodelle weitergegeben.

Bei der Einordnung der Zahlen ist zu berücksichtigen, dass Suchtmittelkriminalität in weiten Teilen ein Kontrolldelikt ist. Umfang und Schwerpunktsetzung polizeilicher Kontrollen und Ermittlungen wirken sich daher auf das Anzeigeaufkommen aus. Einzelne Großaufgriffe können zudem zu deutlichen Schwankungen bei den jährlichen Sicherstellungsmengen führen.

Verschlüsselte Kommunikation im Fokus
Ein Schwerpunkt der Ermittlungsarbeit bleibt die Auswertung verschlüsselter Kommunikation. Im Rahmen der Operation "Achilles" analysiert das Bundeskriminalamt Daten aus Krypto-Messenger-Diensten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse unterstützen Ermittlungen gegen international vernetzte Tätergruppen und betreffen neben dem Suchtmittelhandel unter anderem Geldwäsche, Waffenhandel und Gewaltdelikte.

Die Auswertungen ermöglichen Einblicke in Organisationsstrukturen, Transportwege, Geldflüsse und die Aufgabenverteilung innerhalb krimineller Netzwerke. Die bisher abgeschlossenen Verfahren führten zu Freiheitsstrafen im Gesamtausmaß von mehr als 1.300 Jahren. Die Bearbeitung der umfangreichen Datenbestände und der daraus resultierenden Ermittlungsansätze wird die Sicherheits- und Justizbehörden weiterhin beschäftigen.

Finanzermittlungen und Präventionsarbeit ergänzen die Strafverfolgung
Suchtmittelhandel ist regelmäßig mit der Verschleierung illegal erwirtschafteter Gewinne verbunden. Im Jahr 2025 wurden in 1.361 Fällen Vermögenswerte im Gesamtwert von rund 5,9 Millionen Euro sichergestellt. Den größten Anteil bildete Bargeld. Darüber hinaus wurden unter anderem Fahrzeuge, Kontoguthaben, Immobilien, Wertgegenstände und virtuelle Währungen beschlagnahmt.

Finanzermittlungen und Vermögensabschöpfung sind daher zentrale Bestandteile der Bekämpfungsstrategie. Ziel ist es, kriminellen Strukturen neben den Suchtmitteln auch die finanziellen und logistischen Grundlagen zu entziehen.

Ergänzend zur Strafverfolgung wurden bundesweit 941 Präventionsmaßnahmen durchgeführt und mehr als 20.000 Personen erreicht. Ein Schwerpunkt lag auf Jugendlichen sowie auf der Vermittlung von Lebenskompetenzen und einem verantwortungsvollen Umgang mit legalen und illegalen Substanzen. Die Maßnahmen werden von speziell geschulten Polizeibediensteten gemeinsam mit Schulen, Lehrkräften und Erziehungsberechtigten umgesetzt.

Die Bekämpfung der Suchtmittelkriminalität bleibt eine gemeinsame Aufgabe von Polizei, Justiz, Zoll, Gesundheitsbehörden und internationalen Partnerorganisationen. Der Lagebericht bildet dafür eine wichtige Grundlage und zeigt längerfristige Entwicklungen ebenso wie aktuelle Arbeits- und Ermittlungsschwerpunkte.

Artikel Nr: 30516 vom Donnerstag, 16. Juli 2026, 11:09 Uhr
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