Betrug
Millionenschwerer Internetbetrug mit Prominenten-Fakenews
Einen gemeinsamen Ermittlungserfolg konnten das Bundeskriminalamt und die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) und mit dem Ausheben dreier Callcenter in Albanien verzeichnen.
Österreichischen und albanischen Behörden gelang es gemeinsam mit Europol und Eurojust jenes kriminelle Netzwerk zu zerschlagen, das groß angelegten Online-Betrug mit Folgebetrug betrieben hat. Nach über zwei Jahren Ermittlungsarbeit konnten nun zehn Personen festgenommen und rund 900.000 Euro beschlagnahmt werden.
"Dieser Ermittlungserfolg ist ein klares Beispiel dafür, wie wirksame Sicherheitsarbeit im internationalen Verbund funktioniert. Mein besonderer Dank gilt allen beteiligten Behörden im In- und Ausland, insbesondere der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, den albanischen Partnerbehörden sowie Europol und Eurojust. Durch das entschlossene gemeinsame Vorgehen konnte ein hochprofessionelles Betrugsnetzwerk zerschlagen werden", betonte der Direktor des Bundeskriminalamtes, Andreas Holzer.
Ein kriminelles Netzwerk, das mehrere Callcenter in Tirana betrieb, soll weltweit einen finanziellen Schaden in Millionenhöhe versursacht verursacht haben. Aktuell beläuft sich dieser bereits auf rund 50 Millionen Euro. Die Betrugsopfer befanden sich in Europa und darüber hinaus: unter anderem in Österreich, Deutschland, Italien, Griechenland, Spanien, Großbritannien und Kanada. Die Callcenter waren professionell eingerichtet und organisiert. Sie hatten eine feste Struktur mit klar verteilten Aufgaben und einem hierarchischen Aufbau.
Kick-off in Österreich
Dass Bundeskriminalamt und die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hatten die Ermittlungen aufgrund einer Häufung an Taten in Wien im Juni 2023 eingeleitet. Mit Unterstützung von Eurojust war eine gemeinsame Ermittlung mit den albanischen Behörden gestartet worden, die am 17. April 2026 in einem koordinierten Zugriff gipfelte: Die Polizeibediensteten konnten drei Callcenter ausheben und neun Privatwohnungen durchsucht. Dabei wurden:
• rund 900.000 Euro in bar,
• rund 450 Computern (443 Standcomputer und sechs Laptops),
• 238 Mobiltelefone
• und verschiedenen Datenträgern und Speichermedien beschlagnahmt.
Die sichergestellten Daten sollen nun weitere Einblicke in das kriminelle Netzwerk ermöglichen. Der Leiter des Büros für Betrugsermittlungen im Bundeskriminalamt, Reinhard Nosofsky, ruft dazu auf bei Verdacht auf Betrug umgehend die Behörden einzuschalten: "Hinter jeder Anzeige steht ein Mensch, der oft sein Erspartes, sein Vertrauen und manchmal ein Stück Lebenssicherheit verloren hat. Diese Täter spielen skrupellos mit Hoffnung, Angst und Scham. Deshalb ist jede Anzeige so wichtig: Sie hilft uns bei den Ermittlungen und schützt andere davor, dass ihnen dasselbe passiert."
Fake-Videos des österreichischen Bundespräsidenten: Anlageversprechen zu schön, um wahr zu sein
Um potenzielle Anleger zu ködern, nutzten die Täter manipulierte Medieninhalte. In Österreich schalteten sie irreführende Online-Werbung für angeblich gewinnbringende Investitionen auf vermeintlich seriösen Anlageplattformen. Via Social Media verbreiteten sie gefälschte Videos des österreichischen Bundespräsidenten, manipulierte Auftritte der ZiB-Moderator Armin Wolf und ZiB-Moderatorin Nadja Bernhard und erstellten fingierte Nachrichtenartikel. Darin wurden prominente Persönlichkeiten wie Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer, Fußballprofi David Alaba, Ex-Skistar Hermann Maier, TV-Moderator Armin Assinger und der Moderatorin Mirjam Weichselbraun oder der Satiriker Christoph Grissemann missbräuchlich als angebliche Unterstützer dargestellt.
Nach Registrierung auf diesen Anlageplattformen meldeten sich sogenannte "Kunden-betreuer", die sich als Anlageberater oder Broker ausgaben. Diese Betreuer verwalteten die Konten der Opfer über längere Zeiträume und nutzten dabei häufig Fernzugriffssoftware, um die volle Kontrolle über deren elektronischen Geräte zu erlangen. Die Betrüger gaben sich als Experten aus und setzten die Betroffenen mit fälschlicherweise vorgaukelte Gewinnen unter psychologischen Druck weiteren Investitionen zu tätigen. In Wahrheit dürften die Gelder aber nie investiert worden, sondern in ein komplexes internationales Geldwäschenetzwerk geleitet worden sein, wo sie in den Händen der kriminellen Organisation verschwanden.
Betrug mit Folgebetrug: die Masche der Kriminellen
Diese hohe Organisationsdichte ermöglichte groß angelegte, grenzüberschreitende Betrugsoperationen. Die Verdächtigen dürften ihre Opfer getäuscht haben, indem sie ihnen falsche Investitionsmöglichkeiten vorgaukelten und sie davon überzeugten, dass überwiesene Gelder in ihrem Namen angelegt würden. Infolge dieser Betrügereien überwiesen die Opfer erhebliche Summen, nach derzeitigen Ermittlungsergebnissen über 50 Millionen Euro.
Zudem kontaktierten die Kriminellen jene Opfer erneut, die bereits durch betrügerische Plattformen Verluste erlitten hatten: Sie gaben sich als Behörden, Rechtsanwälte oder andere vertrauenswürdige Dienstleister aus, die gerade jenen Betrugsfall bearbeiten würden, mit dem die Opfer gerade ihr Geld verloren hatten, und boten ihnen an die verlorenen Gelder zurückzubringen. Dazu sollten die Betroffenen eine Gebühr von 500 Euro auf einer Kryptowährungsplattform entrichten – womit sie aber lediglich erneut betrogen wurden.
Kriminelle Callcenter mit Firmencharakter
Die Bediensteten des Callcenters waren in Teams zu je sechs bis acht Personen organisiert und jeweils auf eine bestimmte Sprache spezialisiert (darunter Deutsch, Englisch, Italienisch, Griechisch und Spanisch), um die jeweiligen nationalen Märkte zu bearbeiten. Wie bei Anlagebetrug üblich, wird die Sprachkenntnis genutzt, um Vertrauen aufzubauen.
Die Tatverdächtigen täuschten ihre Opfer, indem sie ihnen falsche Anlagemöglichkeiten vorgaukelten und sie davon überzeugten, hohe Geldbeträge zu überweisen.
Die Größe und Professionalität des kriminellen Netzwerks zeigten sich in dessen Struktur mit bis zu 450 Mitarbeitern in verschiedenen Abteilungen, darunter Kundengewinnung durch sogenannte "Conversion Agents" und Kundenservice durch "Retention Agents". Darüber hinaus verfügte das Netzwerk über eigene Teams für Management, Finanzen, IT, Personalwesen und diverse Backoffice-Tätigkeiten.
Teamleiter überwachten die täglichen Aktivitäten ihrer Teams, während ein Manager in jedem Callcenter die Teamleiter und den gesamten Betrieb koordinierte und leitete. Die Bediensteten erhielten ein monatliches Gehalt von etwa 800 Euro sowie eine Provision pro erfolgreich abgeschlossenen Vertrag teils bar, teils per Banküberweisung.