Betrug

Warnung vor neuer Betrugsmasche: Vorsicht bei "Handmade-Jobs" auf Social Media

Kriminelle locken auf Social Media mit vermeintlich lukrativen "Handmade-Jobs" und verleiten ihre Opfer schrittweise zu immer höheren Überweisungen und Kryptozahlungen. Der Schaden lag in Österreich im Vorjahr bei rund 6,5 Millionen Euro und erreicht auch heuer bereits wieder einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag.

Über soziale Medien wie Instagram, TikTok oder Facebook werben Kriminelle derzeit verstärkt mit vermeintlich lukrativen Heimarbeitsangeboten. Interessierten wird versprochen, durch den Zusammenbau, den Ankauf oder die Bewertung von Produkten wie Kugelschreibern, Perlenketten oder Haarspangen bequem von zu Hause aus Geld verdienen zu können.

Tatsächlich handelt es sich um eine professionell organisierte Betrugsmasche. Das Ziel der Täter besteht darin, das Vertrauen der Opfer zu gewinnen und sie schrittweise zu immer höheren Überweisungen oder Kryptozahlungen zu bewegen.

Kontaktaufnahme über WhatsApp und Telegram
Die Kontaktaufnahme erfolgt zunächst meist über eine auf Social Media veröffentlichte WhatsApp-Nummer. Anschließend werden die Interessierten in Telegram-Gruppen aufgenommen und dort von angeblichen Betreuern durch die einzelnen "Arbeitsschritte" geführt.

Zu Beginn müssen lediglich einfache Online-Aufgaben erledigt werden. Dazu zählen beispielsweise das Suchen oder Bewerten bestimmter Produkte. Teilweise werden auch kleinere Geldbeträge für einen angeblichen Ankauf und anschließenden Rückkauf von Waren verlangt.

In dieser Phase erfolgen tatsächlich erste Auszahlungen. Dadurch bauen die Täter gezielt Vertrauen auf und vermitteln den Eindruck, dass es sich um ein seriöses und funktionierendes Geschäftsmodell handelt.

Immer höhere Einzahlungen werden verlangt
Im weiteren Verlauf werden die Betroffenen aufgefordert, eigenes Geld auf ein angebliches "Handmade-Konto" einzuzahlen. Nur dadurch könnten höherwertige Aufträge durchgeführt und größere Provisionen erzielt werden.
Später erfolgt häufig die Aufnahme in sogenannte "VIP-Gruppen". Dort werden zunehmend höhere Einzahlungen verlangt. Die Kriminellen behaupten, durch den Kauf und Rückkauf bestimmter Produkte könnten besonders hohe Gewinne oder Provisionen erwirtschaftet werden.

Die Zahlungen erfolgen unter anderem durch Banküberweisungen oder Kryptowährungen. Teilweise werden die Opfer auch dazu angeleitet, eigene Krypto-Wallets zu eröffnen.

Angebliche Fehler und "Reparaturaufträge"
Nach erfolgten Einzahlungen wird den Opfern häufig mitgeteilt, sie hätten bei der Durchführung einer Aufgabe einen Fehler gemacht. In anderen Fällen wird behauptet, weitere Teilnehmer hätten Zahlungen doppelt durchgeführt oder eine Aufgabe sei innerhalb der Gruppe nicht korrekt abgeschlossen worden.

Das angebliche Provisionskonto werde deshalb eingefroren. Um die bereits einbezahlten Beträge und die vermeintlich erwirtschafteten Provisionen wieder freizuschalten, müssten sogenannte "Reparaturaufträge" durchgeführt werden. Dafür verlangen die Kriminellen weitere und meist deutlich höhere Zahlungen.

Opfer werden massiv unter Druck gesetzt
Versuchen Betroffene, die Zahlungen zu beenden oder die Auszahlung ihres angeblichen Guthabens zu verlangen, werden sie von den Kriminellen massiv unter Druck gesetzt.

Dabei wird behauptet, dass sämtliche bisher einbezahlten Beträge sowie die angeblich erwirtschafteten Provisionen verloren seien, wenn die Aufgaben nicht vollständig abgeschlossen würden. Teilweise werden die Opfer sogar dazu aufgefordert, ihren Überziehungsrahmen bei der Bank zu erhöhen oder Kredite aufzunehmen.
In der Hoffnung, das bereits investierte Geld zurückzuerhalten, leisten viele Betroffene weitere hohe Zahlungen. Erst nach Gesprächen mit Vertrauenspersonen oder einer Anzeige bei der Polizei erkennen sie, dass die anfänglichen Auszahlungen ausschließlich dazu dienten, ihr Vertrauen zu gewinnen.

Millionenschäden in Österreich
Im Jahr 2025 entstand in Österreich durch diese Form des Betrugs ein Schaden von rund 6,5 Millionen Euro. Auch im laufenden Jahr 2026 liegt die Schadenssumme bereits wieder im niedrigen einstelligen Millionenbereich.

Präventionstipps der Polizei:
• Seien Sie bei vermeintlich lukrativen Heimarbeitsangeboten in sozialen Medien besonders vorsichtig.
• Lassen Sie Arbeitsverträge von der Arbeiterkammer prüfen.
• Überweisen Sie niemals eigenes Geld, um eine Tätigkeit aufnehmen oder Provisionen freischalten zu können.
• Lassen Sie sich nicht durch Zeitdruck oder angebliche Fristen zu Zahlungen verleiten.
• Erhöhen Sie auf Aufforderung unbekannter Personen niemals Ihren Überziehungsrahmen und nehmen Sie keine Kredite für Online-Aufträge auf.
• Sprechen Sie im Zweifelsfall mit Angehörigen oder Vertrauenspersonen

Bereits Geld überwiesen?
Kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank beziehungsweise den verwendeten Zahlungsdienstleister! Sichern Sie Chatverläufe, Telefonnummern, Kontodaten, Wallet-Adressen, Zahlungsbelege und sonstige Kommunikation! Erstatten Sie anschließend Anzeige bei der nächsten Polizeidienststelle!

Artikel Nr: 30507 vom Dienstag, 14. Juli 2026, 09:31 Uhr
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