Prävention

"UNDER18": Prävention statt Strafe – Jugendkriminalität frühzeitig entgegenwirken

Als gesamtgesellschaftliche Aufgabe erfordert Kriminalprävention ein rechtzeitiges Ansetzen bei jungen Menschen. Mit dem Präventionsprogramm "UNDER18" wurde vom Büro für Kriminalprävention und Opferhilfe des Bundeskriminalamts österreichweit ein universelles, umfassendes, primärpräventives und entwicklungsorientiertes Jugend-Kriminalpräventionsprogramm für Schulen entwickelt.

Eine erfolgreiche Jugendkriminalitätsprävention stärkt nicht nur die individuellen Entwicklungschancen, sondern trägt auch zur Sicherheit und Stabilität in der Gesellschaft bei. Im Rahmen ihres Gesetzesauftrages obliegt es der Kriminalpolizei, aufzuklären und präventiv auf eine positive Entwicklung und auf die Vermeidung von delinquentem Verhalten hinzuwirken. Seit dem Schuljahr 2018/19 werden dafür im Rahmen des Programms "UNDER18" speziell ausgebildete Präventionsbedienstete an Schulen eingesetzt, um Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren in den Bereichen Gewaltprävention, digitale Medienkompetenz und Suchtdeliktsprävention zu sensibilisieren. In Unterrichtseinheiten und Workshops, die sich über das gesamte Schuljahr erstrecken, werden nachhaltig Handlungssicherheit und Kompetenzen im Umgang mit schwierigen Situationen mit den Jugendlichen erarbeitet. Diese wichtige Aufgabe leisten zurzeit 450 Präventionsbedienstete.

Gemeinsam für ein einheitliches Präventionsprogramm
Bis 2018 fehlten bundesweit einheitliche Strukturen bei der Umsetzung von Präventionsprogrammen, weshalb bis dahin in einigen Bundesländern eigene Präventionsprogramme für Jugendliche entwickelt wurden. Um in ganz Österreich einheitliche Standards an den Schulen gewährleisten zu können, wurden die bereits bestehenden Programme auf Initiative des Bundeskriminalamts in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der Schulpsychologie, dem Bundesministerium für Bildung und den Bildungsdirektionen unter dem Überbegriff "UNDER18" zusammengefasst und weiterentwickelt.

Mit der Vereinheitlichung wurden auch die bis dahin vorherrschenden ein- bis zweistündigen Frontalvorträge durch eine anhaltende Kompetenzentwicklung abgelöst, bei der die Jugendlichen, je nach Programm, in zehn bis 18 Unterrichtseinheiten in eine starke Interaktion mit den Präventionsbediensteten treten und gemeinsam mit diesen die Inhalte erarbeiten.

Um jedes Programm stets aktuell zu halten, wird durch Fachzirkel aus polizeiinternen Expertinnen und Experten auf eine zeitgemäße Umsetzung im methodischen sowie didaktischen Bereich geachtet.

Vier Präventionsprogramme für einen ganzheitlichen Ansatz
Das Gesamtkonzept "UNDER18" wird grundlegend von drei Säulen getragen: "All Right – Alles was Recht ist!", "Click & Check" und "Look@your.Life". Dabei handelt es sich um die thematisch unterschiedlichen Programme, die im Rahmen von "UNDER18" an den Schulen abgehalten werden und sich mit Gewaltprävention oder im Fall von "Look@your.Life" mit Suchtdelinquenzprävention beschäftigen. Als weiterer Pfeiler zählt das von der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst entwickelte Programm "RE#work!".

Ein zentrales Element bei der Umsetzung aller drei Programme bildet ein Mehr-Ebenen-Ansatz, was beutet, dass über die Jugendlichen hinaus auch Eltern und Lehrer in die Programme einbezogen werden. Auf Elternabenden wird vor Beginn eines Programms über dessen Inhalte informiert. Begleitlehrerinnen und -lehrer unterstützen die Workshops und beteiligen sich dort aktiv. Durch dieses koordinierte Zusammenwirken aller Beteiligten im System Schule werden die sich überschneidenden Lebenswelten der Jugendlichen miteinander verbunden.

"All Right – Alles was Recht ist!"
Im Gewaltpräventionsprogramm "All Right- Alles was Recht ist!" werden Rechtsinformationen im
Straf-, Verwaltungs- und Zivilrecht zu jugendtypischen Delikten und das Thema Zivilcourage an die Jugendlichen vermittelt und mit Rechtsmythen aufgeräumt. Ein straffreies Heranwachsen steht dabei im Fokus. Gemeinsam werden Handlungsstrategien für gewaltfreie Konfliktlösungen erarbeitet.

"Click & Check"
Im Gewaltpräventionsprogramm "Click & Check" erlernen die Schüler ein verantwortungsbewusstes Verhalten im Internet und einen adäquaten Umgang mit digitalen Medien. Im Mittelpunkt steht es die Rechtssicherheit beim täglichen Internetverkehr - insbesondere auf Social-Media-Plattformen – zu fördern.

"Look@your.Life"
Das Suchtdeliktspräventionsprogramm "Look@your.Life" startet ab der 7. Schulstufe. Hierbei geht es nicht nur um die Beschaffungskriminalität rund um legale und illegale Drogen, sondern auch der Umgang mit Handy-, Internet-, und Kaufsucht sind zentraler Bestandteil. Hierbei werden die Jugendlichen bei den verschiedenen Herausforderungen, die das Miteinander sowie die Konsum- und Medienwelt an sie stellen, unterstützt und tiefgehende Maßnahmen angeregt.

"RE#work!"
Im Rahmen des 2023 hinzugekommenen Programms "RE#work!" wird mit den Jugendlichen an der Extremismusprävention gearbeitet. Zentrales Element ist die Auseinandersetzung mit den Themen Verbotsgesetz, Demokratie, Menschenrechte und dem Kampf gegen Antisemitismus.

Vertrauen aufbauen – Sicherheitsgefühl stärken
Ein weiterer positiver Effekt bei den Jugendlichen, der mit dem interaktiven Zugang zu den Themengebieten einhergeht, ist der Aufbau von Vertrauen in die Polizei. "Aufgrund von negativen Erfahrungen, Vorurteilen oder mangelnder Berührungspunkte gibt es Jugendliche, die eine ablehnende Haltung gegenüber Polizistinnen und Polizisten haben" sagt KontrInsp Andreas Loibner aus dem Büro für Kriminalprävention und Opferhilfe des Bundeskriminalamts. "Durch den direkten Austausch über das gesamte Schuljahr ist es uns möglich, Vorurteile bei den Jugendlichen abzubauen und das Bild der Polizei als Freund und Helfer zurechtzurücken."
Um einen altersgerechten Zugang zu den Schülern zu schaffen, werden die Kriminalbediensteten in einer umfangreichen Fortbildung in den Bereichen Entwicklungspsychologie, Gewalt- und Suchtentstehung, Methodik, Didaktik und Kommunikation geschult. Jährlich werden bedarfsorientiert zwei bis drei Lehrgänge mit je 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt. Durch das besondere Engagement der Präventionsbediensteten konnten im Vorjahr in 7116 Workshops 161.099 Schüler, Lehrer und Elternteile erreicht werden.

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Artikel Nr: 27747 vom Freitag, 7. Februar 2025, 13:00 Uhr
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