Internationales
80 Festnahmen und über 37 700 beschlagnahmte Kulturgüter bei einer Großrazzia im Kunstschmuggel
Zum neunten Mal fand die internationale Operation Pandora (Pandora IX), unter Beteiligung von Ermittlerinnen und Ermittlern aus 23 Ländern, zur Bekämpfung des illegalen Handels mit Kulturgütern statt. Pandora IX führte zu 80 Festnahmen und der Beschlagnahmung von 37.727 Gegenständen, darunter archäologische Stücke, Kunstwerke, Münzen und Musikinstrumente.
Die Operation wurde 2024 durchgeführt. Es waren Strafverfolgungs- und Zollbehörden aus 23 Ländern – darunter auch Österreich - beteiligt. Die Koordination übernahm Spanien (Guardia Civil) mit operativer Unterstützung von Europol, Interpol und der Weltzollorganisation (WZO) über deren regionales Geheimdienstverbindungsbüro für Ost- und Mitteleuropa. Die Behörden beschlagnahmten außerdem 69 Metalldetektoren und 23 Werkzeuge, die üblicherweise für illegale Ausgrabungen verwendet werden.
Insgesamt wurden von den beteiligten Ländern 258 Fälle gemeldet. Viele Ermittlungen dauern noch an. Es werden weitere Festnahmen und Beschlagnahmungen erwartet.
Highlights der Operation Pandora
Das italienische Carabinieri-Kommando zum Schutz des kulturellen Erbes (TPC) beschlagnahmte gemeinsam mit der Zoll- und Monopolbehörde (ADM) bei einer Grenzoperation ein gefälschtes Gemälde, das dem Künstler Jannis Kounellis zugeschrieben wurde. Wäre es echt gewesen, hätte es rund 100.000 Euro wert sein können. In einem weiteren Fall stellten die Behörden über 300 antike Objekte – darunter Münzen sowie Metall- und Keramikfragmente – sicher, die in einer Privatwohnung gelagert und online zum Verkauf angeboten wurden.
Die spanische Guardia Civil zerschlug in der Provinz Cáceres eine kriminelle Gruppe, die archäologische Stätten plünderte. Sechs Personen wurden festgenommen, gegen drei weitere wird ermittelt. Die Behörden stellten rund 2.500 römische Münzen sicher, die in der antiken Stadt Tamusia geprägt worden waren und illegal über soziale Medien verkauft wurden.
Zudem wurde ein Passagier abgefangen, der mit 55 antiken Münzen und einem Ring von Palma de Mallorca nach Deutschland reisen wollte. Die weiteren Ermittlungen führten zur Sicherstellung von 64 Kulturobjekten und 1.576 antiken Münzen sowie zu einer Anklage wegen Plünderungen archäologischer Stätten und Unterwasserfunde.
In Athen stellte die Behörde für Kulturerbe und Altertümer fünf byzantinische Ikonen sicher. Auf Grundlage geheimdienstlicher Erkenntnisse und mithilfe spezieller Ermittlungsmethoden - darunter auch ein verdeckter Ermittler - wurden drei Personen festgenommen, als sie versuchten die Ikonen für 700.000 Euro zu verkaufen.
Die ukrainischen Zollbehörden beschlagnahmten 87 Kulturgüter, die illegal nach Polen, Moldawien und Rumänien transportiert wurden.
Erfolg auch in Österreich
Das Bundeskriminalamt konnte in enger Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern im Zuge der Operation fünf potenziell geraubte Kulturgüter identifizieren und sicherstellen:
• Vier Skulpturen, darunter Darstellungen des Heiligen Florian, Heiligen Leonhard sowie zwei des Heiligen Nepomuk, wurden bei einer Inspektion eines heimischen Kunsthändlers sowie durch gezielte Online-Recherchen auf einem österreichischen Marktplatz entdeckt.
• Ein Gemälde, das im Rahmen der Überprüfung eines Auktionskatalogs auffällig wurde, konnte ebenfalls beschlagnahmt werden.
Die Ermittlungen zu Herkunft und möglicher illegaler Verbringung der sichergestellten Objekte dauern derzeit an.
Cyber-Patrouillen decken weitere Fälle auf
Zusätzlich zu den Vor-Ort-Aktionen wurden im Rahmen der Operation Pandora spezielle Cyber-Patrouillen durchgeführt, um potenziell illegale Online-Verkäufe von Kulturgütern aufzudecken. Diese virtuellen Ermittlungen führten zu neuen Fällen und verdeutlichen, wie schnell digitale Plattformen für Schmugglerinnen und Schmuggler zu einem bevorzugten Kanal für die Vermarktung und den Verkauf geplünderter Artefakte werden. Im Rahmen der Cyber-Patrouillen wurden insgesamt 4.298 Kulturgüter beschlagnahmt.
Internationale Zusammenarbeit als Basis
Operation Pandora IX wurde im Rahmen von der Europäischen multidisziplinären Plattform gegen kriminelle Bedrohungen (EMPACT) durchgeführt. Europol erleichterte den Informationsaustausch und leistete analytische und operative Unterstützung für die internationalen Ermittlungen. Darüber hinaus veranstaltete Europol eine Woche lang Cyber-Patrouillen.
Interpol koordinierte die grenzüberschreitenden Aktionen und stellte Tools wie beispielsweise die Datenbank "Stolen Works of Art" und die mobile App ID-Art zur Verfügung.
Das sichere Kommunikationstool der WZO namens "CENcomm" wurde allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Verfügung gestellt, während das regionale Verbindungsbüro für Ost- und Mitteleuropa die von den Zollbehörden bereitgestellten Informationen sammelte, verfeinerte und weitergab.
Seit ihrem Start im Jahr 2016 hat sich Operation Pandora zu einer wichtigen globalen Initiative zum Schutz des kulturellen Erbes vor illegalem Handel entwickelt.