Internationales

Operation Mineral: Wien als zentraler Ort für Schleusung von Migranten in das Vereinigte Königreich

Ein europaweit agierendes kriminelles Netzwerk schleppte mehr als 450 illegale Migrantinnen und Migranten vom europäischen Festland über Flughäfen im Schengen-Raum beziehungsweise über assoziierten Schengen-Länder in das Vereinigte Königreich. Der Großteil der Geschleppten wurde über Irland in das Vereinigte Königreich geschmuggelt. Das kriminelle Netzwerk operierte von Standorten in Österreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich aus.

Die Migrantinnen und Migranten reisten über Flughäfen in mehr als 16 Staaten beziehungsweise von Dublin in das Vereinigtes Königreich. Dabei nutzten sie überwiegend echte Reisepässe und gültige Schengen-Touristenvisa. Nach der Einreise in die EU wurden die Originaldokumente entsorgt und durch vom Schleusernetzwerk bereitgestellte Fälschungen ersetzt, um Identität und Reiserouten zu verschleiern und Kontrollen innerhalb Europas zu umgehen. Ermittlungshinweise aus verschiedenen Ländern deuten darauf hin, dass der Gesamtumsatz des Netzwerks 2 Millionen Euro überschritten hat.

Drei zentrale Standorte in Europa: Österreich, Spanien und das Vereinigte Königreich
Von Österreich aus haben afghanische und indische Staatsangehörige gefälschte Dokumente beschafft. Oftmals dienten Mobilfunkgeschäfte in Wien als Drehscheibe der kriminellen Gruppierung.

Ein weiterer Standort des kriminellen Netzwerkes befand sich im Vereinigten Königreich. Die dort operierenden britischen Staatsangehörigen ermöglichten den Migrantinnen und Migranten die Einreise. Einige von ihnen besaßen eine zweite Staatsangehörigkeit etwa aus Afghanistan, Indien und Pakistan.

Der dritte Standort befand sich in Spanien. Von dort aus koordinierten die Kriminellen den Versand von über 1.000 gefälschten Ausweisen. Diese Dokumente kamen zuvor als Kuriersendung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und wurden von Spanien aus in die EU, nach Nord- und Südamerika sowie in die Karibik verschickt.

Europaweiter Aktionstag am 22. September
Der Aktionstag fand in Belgien, Deutschland, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich statt. Die Ergebnisse:

• Sechs Hauptverdächtige konnten festgenommen werden - darunter einer in Italien, einer in Spanien und vier im Vereinigten Königreich.
• Insgesamt wurden zehn Hausdurchsuchungen durchgeführt - eine in Österreich, vier in Italien und fünf im Vereinigten Königreich.
• Zu den beschlagnahmten Gegenständen gehören illegale Waren, hochwertige Güter, Bankkonten, Bargeld und elektronische Geräte als Beweismittel.

Bisherige Ermittlungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Netzwerk bereits über 600.000 Britische Pfund (700.800 Euro) erwirtschaftet hat.

Europäisches Zentrum gegen Menschenschmuggel (ECAMS) verstärkt Bekämpfung der Schleuserkriminalität
Die Schleuserkriminalität stellt nach wie vor eine erhebliche kriminelle Bedrohung für die EU dar und erfordert daher Maßnahmen gegen die Anwerbung der Migrantinnen und Migranten, den Transit, die Bereitstellung gefälschter Dokumente und den Finanzströmen, die das Geschäft der Schleuser am Laufen halten.

Um die illegalen Schleppungen wirksam zu bekämpfen gibt es seit März 2026 das Europäische Zentrum von Europol gegen Schleuserkriminalität (ECAMS). Es baut den Austausch von Fachwissen in den Bereichen OSINT, sowie Finanzermittlungen, aus und stärkt die Zusammenarbeit zwischen den Verbindungsbeamten von Frontex, Eurojust und den EU-Mitgliedstaaten.

Europaweite Zusammenarbeit
In der Anfangsphase der Ermittlungen untersuchten Strafverfolgungsbehörden aus Belgien, Finnland, Irland, Island, Schweden, Portugal, den Niederlanden und Norwegen die verschiedenen Schleuserrouten ins Vereinigte Königreich.

Europol unterstützte die Ermittlungen, indem es die von den nationalen Behörden übermittelten Fallinformationen durch operative Analysen und Fachwissen ergänzte. Darüber hinaus leistete Europol bei Finanzermittlungen analytische Unterstützung.

Artikel Nr: 30702 vom Mittwoch, 23. September 2026, 14:15 Uhr
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