Kriminalitätsbekämpfung

Aufdeckung eines internationalen Vorsteuerbetrugs – Schlag gegen organisierte Kriminalität

In enger Zusammenarbeit gelang dem Bundeskriminalamt (BK) mit dem Amt für Betrugsbekämpfung (BMF-ABB) sowie der Staatsanwaltschaft Wien ein bedeutender Schlag gegen die organisierte Finanzkriminalität gelungen. Im Zuge umfangreicher Ermittlungen konnte ein international verzweigtes Netzwerk des organisierten Vorsteuerbetrugs aufgedeckt und maßgeblich geschwächt werden. Der bislang bekannte Schaden beläuft sich auf rund 4,8 Millionen Euro.

"Die Spezialisten des Bundeskriminalamtes verfügen über international anerkannte Expertise und haben einmal mehr dazu beigetragen, einer Betrügerbande das Handwerk zu legen. Ich danke allen Ermittlern für ihre ausgezeichnete Arbeit", hielt Innenminister Gerhard Karner fest.

Finanzminister Markus Marterbauer: "Der Kampf gegen Steuerbetrug hat weiterhin oberste Priorität im Finanzministerium, denn Betrug schadet der Gesellschaft und vor allem den vielen ehrlichen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern. Das Gründen von Scheinunternehmen und daraus resultierende umfangreiche Steuer-, Sozial- und Abgabenbetrug geht zulasten aller: Der redlichen Unternehmen, der Beschäftigten und nicht zuletzt auch der Finanzierung des Sozialstaats. Das zeigt in diesem Fall auch die bisher festgestellte Schadenssumme von fast fünf Millionen Euro. Laut Statistik ist die Zahl der versuchten Betrugsvergehen mit Scheinunternehmen in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Der nun gesetzte Schlag gegen ein internationales Netz macht auch deutlich, wie bedeutend die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organisationseinheiten, auch über Ressortgrenzen hinweg, ist. Betrugsversuche werden komplexer. Umso wichtiger ist es, sowohl international als auch national die Zusammenarbeit zu stärken. Denn bei Steuerbetrug gilt in Österreich null Toleranz."

Ausgangspunkt der Ermittlungen

Ausgangspunkt der Ermittlungen waren Mitte 2024 auffällige Finanzströme, die durch Analysen der Geldwäschemeldestelle im Bundeskriminalamt (A-FIU) identifiziert wurden. In weiterer Folge erhärtete sich der Verdacht auf ein weitreichendes Netzwerk von Scheinfirmen, das gezielt Zahlungsflüsse verschleierte, um unrechtmäßig Vorsteuer geltend zu machen.

Durch die enge Kooperation zwischen A-FIU und BMF-ABB konnte der Betrug bereits Ende 2024 aufgedeckt werden. Die weiteren Ermittlungen bestätigten eine international organisierte Tätergruppe mit klaren Strukturen und hoher krimineller Energie.

Zur Bündelung der Kräfte wurde mit 1. Februar 2026 die ressortübergreifende Arbeitsgruppe "Dolus" eingerichtet, die die Ermittlungen gemeinsam mit dem BMF intensiv fortführte.

"Der vorliegende Ermittlungserfolg unterstreicht deutlich, wie entscheidend eine enge, strukturierte und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Behörden ist. Durch ein strategisches Vorgehen des Bundeskriminalamtes mit dem Amt für Betrugsbekämpfung sowie der konsequenten und rechtlich fundierten Begleitung durch die Staatsanwaltschaft Wien konnte dieses komplexe, international vernetzte Betrugsgeflecht erkannt, umfassend aufgearbeitet und entscheidend zerschlagen werden", erklärte der Direktor des Bundeskriminalamtes, Andreas Holzer.

Systematische Vorgehensweise

Die Tätergruppierung agierte arbeitsteilig und hochprofessionell: Personen aus verschiedenen europäischen Ländern wurden gezielt nach Österreich gebracht, um Firmen auf ihren Namen anzumelden. Diese Unternehmen dienten ausschließlich als Scheinfirmen zur betrügerischen Geltendmachung von Vorsteuer.

Nach Einrichtung von Identitäten, Bankkonten und Firmenstrukturen wurden die eingesetzten Personen gegen geringe Geldbeträge wieder ins Ausland verbracht. Die Hintermänner nutzten diese Konstruktionen, um in großem Umfang Gelder zu lukrieren und anschließend bar zu beheben.

Umfang der Ermittlungen, gesetzte Maßnahmen und zahlreiche Sicherstellungen

Die Ermittlungen richten sich gegen eine kriminelle Vereinigung, die überwiegend aus Beschuldigten mit Verbindungen nach Pakistan, Syrien, Afghanistan und Marokko besteht. Insgesamt konnten bislang rund 190 Involvierte ausgeforscht werden. Der Kern der Organisation umfasst derzeit zehn Hauptbeschuldigte, gegen die sich die Beweislage besonders verdichtet hat und die im Verdacht stehen, zahlreiche Scheinfirmen gegründet und betrieben zu haben.

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien wurden am 25. März 2026 umfangreiche kriminalpolizeiliche Maßnahmen gesetzt, bei denen vier Festnahmen durchgeführt, sechs Personen zur sofortigen Vernehmung vorgeführt und 16 Hausdurchsuchungen im Raum Wien und Niederösterreich vorgenommen wurden. Sämtliche Zielpersonen konnten angetroffen werden.

Im Zuge dieser Maßnahmen wurden umfangreiche Beweismittel sichergestellt, darunter Bargeld in Höhe von rund 185.965 Euro sowie zusätzlich 3.000 britische Pfund und 12.000 pakistanische Rupien, rund 100 Mobiltelefone, diverse IT-Geräte sowie umfangreiche Dokumente, Bankunterlagen und zahlreiche Bankomatkarten sichergestellt. Die Auswertung dieser Beweismittel ist Gegenstand laufender Ermittlungen.

"Es ist der ausgezeichneten Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaft, Polizei und Steuerfahndung zu verdanken, dass dieses Netzwerk rund um Scheinunternehmen aufgedeckt werden konnte", so Nina Bussek, Leiterin der Medienstelle der Staatsanwaltschaft Wien.

Weitere strafrechtliche Relevanz: Sozialleistungsmissbrauch

Neben dem Vorsteuerbetrug brachten die Ermittlungen der AG Dolus auch weitere strafrechtlich relevante Sachverhalte im Bereich des Sozialleistungsmissbrauchs ans Licht, deren gesamtes Ausmaß derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden kann. Erste Erkenntnisse zeigen, dass Einkommen über Scheinfirmen gezielt künstlich erhöht wurden, um höhere Wochengeldansprüche zu erlangen.

In anderen Fällen wurden Personen als Geschäftsführerinnen mutmaßlicher Scheinfirmen angemeldet, um Zugang zum österreichischen Krankenversicherungssystem zu erhalten. Darüber hinaus wurden Einkommens- und Gewinnnachweise fingiert, um die Voraussetzungen für Familienzusammenführungen zu erfüllen.

Ebenso konnten nachträgliche Ausstellungen beziehungsweise Anpassungen von Lohnzetteln festgestellt werden, die dazu dienten, ein ausreichendes Einkommen für die Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft vorzutäuschen.

Zudem verdichten sich Hinweise auf die Vermittlung von Scheinehen, die in Kombination mit fingierten Beschäftigungsverhältnissen zur gezielten Erschleichung von Sozialleistungen genutzt wurden. Die Ermittlungen in diesen Bereichen werden mit hoher Intensität weitergeführt.

Bedeutung der Zusammenarbeit

Der vorliegende Ermittlungserfolg unterstreicht die zentrale Bedeutung der frühzeitigen Analyse verdächtiger Finanzströme sowie der engen Zusammenarbeit nationaler Behörden. Organisierte Finanzkriminalität agiert zunehmend komplex und grenzüberschreitend. Dem wird durch koordinierte und vernetzte Ermittlungsarbeit begegnet. Die Kooperation zwischen A-FIU und BMF-ABB erwies sich dabei als wesentlicher Erfolgsfaktor.

"Dieser Ermittlungserfolg zeigt eindrucksvoll, dass organisierte Finanzkriminalität auch über Ländergrenzen hinweg konsequent verfolgt wird. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Bundeskriminalamt, der Staatsanwaltschaft und dem Amt für Betrugsbekämpfung ist es gelungen, ein komplexes Netzwerk von Scheinfirmen aufzudecken und empfindlich zu treffen. Wer versucht, das österreichische Steuer- und Sozialsystem systematisch auszunutzen, muss damit rechnen, dass wir diese Strukturen aufdecken und mit voller Konsequenz dagegen vorgehen", betont ABB-Vorstand Christian Ackerler.

Artikel Nr: 30177 vom Donnerstag, 9. April 2026, 12:27 Uhr
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