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Verhandlungsgruppen: Kommunikation als Schlüssel zur Krisenbewältigung

Wenn Menschen in Ausnahmesituationen eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellen, kann Kommunikation zu einem entscheidenden Einsatzmittel werden. Die Verhandlungsgruppen der Polizei kommen bei besonderen Gefährdungs- und Krisenlagen zum Einsatz. Das Bundeskriminalamt ist die Zentralstelle für das Verhandlungswesen in Österreich.

Geiselnahmen, erpresserische Entführungen, schwere Erpressungen oder akute Bedrohungslagen stellen Polizei und Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Auch bei Suizidankündigungen oder in Situationen, in denen sich Personen polizeilichen Maßnahmen widersetzen und dabei eine konkrete Gefahr für sich selbst, Einsatzkräfte oder Dritte besteht, können speziell ausgebildete Verhandlerinnen und Verhandler beigezogen werden.

Ihr Ziel ist es, durch professionelle Gesprächsführung eine Lage zu stabilisieren, Gewalt zu verhindern und Gefahren für alle Beteiligten möglichst zu reduzieren. Kommunikation ist dabei Teil eines umfassenden polizeilichen Einsatzkonzepts und wird eng mit der jeweiligen Einsatzleitung und den eingesetzten Kräften abgestimmt.

Österreichweit stehen derzeit fünf regionale Verhandlungsgruppen mit insgesamt 135 Mitgliedern zur Verfügung. Die Verhandlerinnen und Verhandler der regionalen Gruppen üben diese Tätigkeit neben ihrer regulären polizeilichen Funktion aus. Das Referat Verhandlungsgruppen im Bundeskriminalamt ist hingegen hauptamtlich mit diesem Aufgabenbereich betraut.

Zentralstelle im Bundeskriminalamt
Das Referat Verhandlungsgruppen im Bundeskriminalamt bildet die nationale Zentralstelle für das polizeiliche Verhandlungswesen. Zu seinen Aufgaben zählen die Koordination und fachliche Steuerung der regionalen Verhandlungsgruppen ebenso wie die Aus- und Fortbildung sowie die laufende Weiterentwicklung von Einsatzkonzepten und Verhandlungsmethoden.

Darüber hinaus unterstützt das Bundeskriminalamt die regionalen Verhandlungsgruppen bei der Bewältigung komplexer polizeilicher Sonderlagen und steht als nationale und internationale Ansprechstelle zur Verfügung.
Eine besondere Rolle kommt dem Referat auch bei Sachverhalten mit Auslandsbezug zu. Dabei kann es etwa um Geiselnahmen, Entführungen oder schwerwiegende Erpressungsfälle gehen, von denen österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger im Ausland betroffen sind. In solchen Fällen erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den zuständigen nationalen und internationalen Behörden und Partnerorganisationen.

Extremlagen stabilisieren und Gefahr reduzieren
Verhandlungslagen sind häufig dynamisch und von hoher emotionaler Anspannung geprägt. Entscheidungen müssen unter Zeitdruck und auf Basis einer Lage getroffen werden, die sich innerhalb kurzer Zeit verändern kann.

Die Verhandlerinnen und Verhandler versuchen zunächst, einen Kommunikationskanal zur betroffenen Person aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Durch gezielte Gesprächsführung sollen Spannungen reduziert, Informationen gewonnen und Handlungsspielräume geschaffen werden.

Entscheidend ist dabei die laufende Einschätzung der Situation. Verhalten, Aussagen und Veränderungen der Lage müssen kontinuierlich bewertet und mit der Einsatzleitung abgestimmt werden. Ziel bleibt stets, eine möglichst gewaltfreie Lösung herbeizuführen beziehungsweise bereits bestehende Gefahren und mögliche Schäden zu minimieren.

Lernen. Trainieren. Verhandeln.
Die Tätigkeit als Verhandlerin oder Verhandler erfordert eine umfassende Spezialausbildung. Angehende Mitglieder der Verhandlungsgruppen absolvieren eine vierwöchige Grundausbildung. Neben theoretischen Grundlagen aus den Bereichen Kommunikation, Psychologie und Recht liegt ein besonderer Schwerpunkt auf praxisnahen Trainings und realitätsnahen Einsatzszenarien.

Die Grundausbildung sowie weiterführende Spezialausbildungen werden vom Bundeskriminalamt gemeinsam mit erfahrenen Mitgliedern der regionalen Verhandlungsgruppen sowie nationalen und internationalen Fachexpertinnen und Fachexperten durchgeführt.

Darauf aufbauend finden regelmäßig Fortbildungen, Trainings und Übungstage statt. Denn gerade in Extremsituationen müssen Gesprächsführung, Lageeinschätzung und die Zusammenarbeit mit anderen Einsatzkräften sicher beherrscht werden.

Die Verhandlungsgruppen verbinden damit kriminalpolizeiliche Erfahrung, psychologisches Wissen und professionelle Kommunikation mit einem klaren Ziel: kritische Situationen zu stabilisieren und Gefahren für Menschen so weit wie möglich zu reduzieren.

Artikel Nr: 30792 vom Mittwoch, 21. Oktober 2026, 14:00 Uhr
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