Kriminalitätsbekämpfung

Bundeskriminalamt maßgeblich an internationaler Schwerpunktaktion gegen Menschenhandel beteiligt

Im Rahmen der internationalen Schwerpunktaktion EMPACT Joint Action Days Global Chain 2026 beteiligte sich Österreich von 8. bis 12. Juni 2026 gemeinsam mit allen EU-Mitgliedstaaten sowie zahlreichen Partnerstaaten an einer großangelegten Operation zur Bekämpfung des Menschenhandels. Die internationale Aktion wurde von Österreich und Rumänien gemeinsam geleitet und durch Europol, INTERPOL sowie Frontex unterstützt.

Das Bundeskriminalamt koordinierte die österreichweiten Maßnahmen gemeinsam mit den Landeskriminalämtern. Im Fokus standen Kontrollen zur Bekämpfung des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, der Ausbeutung durch Bettelei sowie der Ausbeutung zur Begehung strafbarer Handlungen. Kontrolliert wurden unter anderem Bordelle, Laufhäuser, Studios, Wohnungen, Hotels sowie stark frequentierte öffentliche Plätze.

Bereits im Vorfeld der Joint Action Days fand am 19. und 20. Mai 2026 ein internationaler EMPACT THB Online Hackathon statt, an dem auch Expertinnen und Experten des Bundeskriminalamtes Österreich teilnahmen. Ziel war es, mittels umfangreicher Open-Source-Recherchen (OSINT) potenzielle Fälle des Menschenhandels im Internet frühzeitig zu erkennen und daraus operative Ermittlungsansätze für die bevorstehenden Schwerpunktmaßnahmen abzuleiten.

Dabei konnten von Österreich sechs Online-Plattformen mit Verdacht auf menschenhandelsrelevante Aktivitäten, 14 mutmaßliche Tatverdächtige sowie zwölf potenzielle Opfer des Menschenhandels identifiziert werden. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wurden sieben Folgeermittlungen eingeleitet, die in die operativen Maßnahmen der Joint Action Days einflossen.

Internationale Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Unter der Leitung beziehungsweise Ko-Leitung von Österreich und Rumänien sowie mit Unterstützung von Europol, INTERPOL und Frontex beteiligten sich sämtliche Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie Staaten aus Lateinamerika, Asien und Afrika, darunter insbesondere Nigeria. Darüber hinaus wirkten auch die Staaten des Westbalkans an den Maßnahmen mit.

Für die Dauer der Joint Action Days wurde in Skopje ein internationales Koordinierungszentrum eingerichtet, das den laufenden Informationsaustausch zwischen den beteiligten Staaten sicherstellte. In Österreich wurden die Maßnahmen zusätzlich durch Polizeibedienstete des ungarischen Nationalen Ermittlungsbüros unterstützt. Dadurch konnten Ermittlungsansätze unmittelbar abgeglichen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter vertieft werden.

"Die gemeinsame Leitung dieser internationalen Schwerpunktaktion durch Österreich und Rumänien unterstreicht die bedeutende Rolle des Bundeskriminalamtes in der europäischen Bekämpfung des Menschenhandels. Der Erfolg der Joint Action Days ist das Ergebnis einer vertrauensvollen internationalen Zusammenarbeit und eines raschen Informationsaustauschs zwischen den beteiligten Staaten. Nur wenn wir unsere Kräfte über Grenzen hinweg bündeln, können wir Täternetzwerke wirksam bekämpfen, Opfer schützen und organisierte Kriminalität nachhaltig zurückdrängen", erklärte Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes.

Umfangreiche Kontrollen in ganz Österreich
Im Zuge der Schwerpunktaktion waren österreichweit 211 Polizeibedienstete im Einsatz. Insgesamt wurden 947 Personen, 63 Fahrzeuge, 118 Örtlichkeiten sowie 943 Dokumente kontrolliert.

Die Bilanz der Maßnahmen:
• 17 potenzielle Opfer des Menschenhandels identifiziert,
• acht Tatverdächtige wegen des Verdachts des Menschenhandels (§ 104a StGB) festgenommen,
• zwei weitere mutmaßliche Tatverdächtige ausgeforscht,
• fünf Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Menschenhandels (§ 104a StGB) eingeleitet,
• fünf weitere Festnahmen aufgrund anderer strafrechtlicher Delikte durchgeführt,
• 68.000 Euro Bargeld, drei Mobiltelefone sowie verschiedene Suchtmittel sichergestellt

Erfolgreiche Ermittlungen in mehreren Bundesländern
Besonders erfolgreiche Ermittlungen konnten unter anderem in Oberösterreich, Tirol und Salzburg durch die jeweiligen Landeskriminalämter geführt werden.

In Oberösterreich wurde ein ungarisches Opfer identifiziert, das nach Österreich gebracht und in der illegalen Hotelprostitution ausgebeutet worden sein soll. Zwei ungarische Tatverdächtige wurden festgenommen und rund 68.000 Euro an mutmaßlichen Tatgewinnen sichergestellt. Das Opfer wurde umgehend einer Opferschutzeinrichtung übergeben.

In Tirol führten Schwerpunktkontrollen zur Aufdeckung mehrerer Verdachtsfälle des Menschenhandels. Unter anderem besteht der Verdacht, dass zwei Frauen aus Rumänien mittels der sogenannten "Loverboy-Methode" zur Prostitution gezwungen und sexuell ausgebeutet wurden. Die Ermittlungen dauern aktuell an.

Auch in Salzburg wurde ein mutmaßliches rumänisches Opfer identifiziert, das nach Österreich gebracht und zur Prostitution gezwungen worden sein soll.

Artikel Nr: 30485 vom Montag, 6. Juli 2026, 14:05 Uhr
Reaktionen bitte an die Redaktion

Share Facebook
Share Twitter

Zurück

Mittwoch, 8. Juli 2026
Tirol

Donnerstag, 9. Juli 2026
Tirol

Samstag, 11. Juli 2026
Wien

Samstag, 18. Juli 2026
Wien

Samstag, 25. Juli 2026
Wien

zu den Terminen