Kriminalitätsbekämpfung
Suchtmittelbericht 2024: Anstieg bei Suchtmitteldelikten und neue Entwicklungen
Anlässlich zum Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr am 26. Juni veröffentlichte das Bundeskriminalamt den Suchtmittelbericht 2024. Dieser zeigt für das Vorjahr einen Anstieg bei Vergehen und Verbrechen im Zusammenhang mit illegalen Suchtmitteln. Mit 37.310 Anzeigen wurde ein Plus von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr registriert. Dabei stiegen die Vergehen um knapp 5 Prozent, während die schwerwiegenderen Verbrechen um mehr als 10 Prozent zunahmen.
Hintergründe und Entwicklungen
Ursächlich für diesen Anstieg sind laut Analyse sowohl eine erhöhte Kontrolldichte als auch die Aufarbeitung umfangreicher Ermittlungen aus dem Vorjahr. Besonders dynamisch zeigt sich weiterhin der Handel mit Kokain und synthetischen Drogen. Eine wachsende Digitalisierung und internationale Verflechtung erschweren die Bekämpfung zusätzlich.
Neue Erkenntnisse durch Abwasseranalysen
Erkenntnisse aus der Abwasseranalyse, die in Österreich seit 2016 durchgeführt wird, ermöglichen eine genauere Einschätzung des Drogenkonsums. 2024 wurden Abwasserproben aus 17 Regionen untersucht, was Rückschlüsse auf den Konsum von etwa 3,5 Millionen Menschen ermöglichte. Diese Daten zeigen, dass der Konsum von Suchtmitteln in Österreich höher ist als bisher angenommen, wobei der Umsatz auf dem illegalen Drogenmarkt in Österreich auf über eine Milliarde Euro geschätzt wird.
Verlagerung hin zu professionellen Strukturen
Der Trend zu großangelegten Indoor-Cannabis-Produktionsanalagen hält auch im Jahr 2024 an. Während kleine Anlagen rückläufig sind, nimmt die Zahl der professionell betriebenen Großanlagen weiter zu. Auch die Zahl der aufgedeckten illegalen Drogenlabore bleibt mit zwölf Fällen auf hohem Niveau.
Demografie der Tatverdächtigen
Die Mehrheit der Tatverdächtigen ist männlich (84,2 %). Besonders auffällig ist der Anstieg unter ausländischen Tatverdächtigen, insbesondere aus Syrien (+43 %). Bei österreichischen Tatverdächtigen wurde hingegen ein Rückgang registriert. Die meisten Anzeigen betreffen Cannabis (54,9 %), gefolgt von Kokain (17,6 %) und Amphetamin (4,2 %).
Sicherstellungen und Drogenmärkte
Im Bereich der Drogen-Sicherstellungen wurde ein Anstieg der Mengen an Kokain festgestellt. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 259 Kilogramm Kokain sichergestellt, was einen Anstieg von 68,4 Prozent gegenüber 2023 darstellt. Auch die weltweite Produktion von Kokain hat diesen Anstieg mitbeeinflusst. Im Gegensatz dazu verzeichnete Heroin einen Rückgang von mehr als 50 Prozent bei den Sicherstellungen, was auf den Rückgang des Opiumanbaus in Afghanistan zurückzuführen ist.
Die Sicherstellungen von Cannabis-Produkten blieben mit rund 2,5 Tonnen auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr, wobei Cannabis auch weiterhin die am häufigsten sichergestellte Droge bleibt. Auch synthetische Drogen wie Methamphetamin und Amphetamin spielen nach wie vor eine bedeutende Rolle.
Ausblick und Herausforderungen
Der illegale Drogenmarkt entwickelt sich zunehmend in Richtung synthetischer Substanzen, digitaler Vertriebsformen und internationaler Organisation. Die Herausforderungen für die Exekutive wachsen – insbesondere durch neue chemische Substanzen, die zunehmende Gewaltbereitschaft im Drogenmilieu und die Verschmelzung mit anderen Kriminalitätsformen. Der Handel über Krypto-Messenger, das Darknet und Kryptowährungen nimmt weiter zu, was die Ermittlungsarbeit komplexer und ressourcenintensiver macht.
"Die Bekämpfung der Suchtmittelkriminalität erfordert eine breite und koordinierte Anstrengung, die Prävention, Strafverfolgung und internationale Zusammenarbeit impliziert", betonte der Direktor des Bundeskriminalamtes Andreas Holzer "Es ist von zentraler Bedeutung, den wachsenden Herausforderungen durch neue Technologien und kriminelle Strukturen mit einer flexiblen und adaptiven Strategie zu begegnen."