Allgemeines
Zielfahndungseinheit im Bundeskriminalamt: Weltweite Fahndung und Rückholung von Flüchtigen
Die Zielfahnder des Bundeskriminalamtes fahnden weltweit nach identifizierten, jedoch flüchtigen Kriminellen sowie bereits verurteilten Straftäterinnen und Straftätern. Ziel ist es, diese Personen im Ausland zu lokalisieren, festzunehmen und entweder vor Gericht zu bringen oder einer Justizanstalt zurückzuführen. Hinter jeder Festnahme stehen aufwendige Ermittlungs- und Fahndungsmaßnahmen der Zielfahndungseinheit.
Die Zielfahndungseinheit des Bundeskriminalamtes startete im Jahr 2002 als Projekt. Aufgrund ihrer raschen Ermittlungserfolge wurde sie bereits 2003 als eigenständiges Büro eingerichtet. Seither haben die Zielfahnder weltweit mehr als 350 Kriminelle festgenommen. Darunter befanden sich mutmaßliche und verurteilte Mörder, Gewalttäter, Verdächtige des Kindesmissbrauchs, Räuber, Suchtmittelkriminelle, Brandstifter, Erpresser sowie andere Straftäterinnen und Straftäter.
Eine Zielfahndung kann durch jede Polizeidienststelle, jede Staatsanwaltschaft und jedes Gericht in Österreich ausgelöst werden. Die Voraussetzungen dafür sind
• ein Europäischer Haftbefehl oder eine weltweite Festnahmeanordnung,
• ein Verbrechenstatbestand mit hoher Strafdrohung sowie
• der Aufenthalt der gesuchten Person im Ausland.
Internationale und operative Zusammenarbeit als Fundament
Innerhalb des Europäischen Zielfahndungsnetzwerkes ENFAST werden die Ermittlungs- und Fahndungstätigkeiten grundsätzlich von jener Zielfahndungseinheit durchgeführt, in deren Land sich die gesuchte Person gerade aufhält. Handelt es sich um Staaten außerhalb des ENFAST-Netzwerks, muss eine zuständige lokale Behörde als Kooperationspartner gefunden und eingebunden werden. Die Zusammenarbeit erfolgt dabei überwiegend über internationale Polizeikanäle (beispielsweise über österreichische oder internationale Verbindungsbeamte, Europol, Interpol, ...) sowie über das seit Jahren aufgebaute weltweite Netzwerk der Zielfahndungseinheit im Bundeskriminalamt.
Sobald ein möglicher Aufenthaltsort festgestellt wird, reisen die Zielfahnder des Bundeskriminalamtes in das betroffene Land. In Österreich werden vorab umfangreiche Erhebungen durchgeführt, Daten analysiert und dadurch Ermittlungsansätze für die internationale Fahndung gewonnen. Dadurch können sich Hinweise zu einem möglichen Aufenthaltsort des Flüchtigen ergeben. Hierfür werden sämtliche verfügbare Informationsquellen genutzt – vom persönlichen Umfeld über Telefon-, Internet – oder Bankdaten bis hin zu Observationen und verdeckten Maßnahmen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die enge Zusammenarbeit mit den ermittlungsführenden Polizei- und Justizbehörden in Österreich.
Die Auslandseinsätze dauern in der Regel einige Tage bis hin zu mehreren Wochen. Vor Ort vernetzen sich die Zielfahnder unmittelbar mit den lokalen Behörden und versuchen weitere strategisch wichtige Partner zu finden. Dazu zählen unter anderem Vertreterinnen und Vertreter von Interpol, Botschaften und Konsulaten sowie die örtlichen Polizeibehörden. Auch die Zusammenarbeit mit Verbindungsbeamtinnen und Beamten des BMI sowie anderer Staaten kann dabei entscheidend sein.
Die Abholung und Überstellung der festgenommenen Personen aus dem jeweiligen Land nach Österreich erfolgt aufgrund der erforderlichen justiziellen Verfahren in der Regel erst einige Wochen oder Monate später.
Herausforderungen erfolgreich meistern
Die Arbeit der Zielfahnder ist mit besonderen Herausforderungen verbunden. Kriminelle nutzen häufig gefälschte Identitäten, wechseln regelmäßig ihren Aufenthaltsort oder setzen sich gezielt ins Ausland ab. Die Lokalisierung und Festnahmen erfordern daher komplexe Ermittlungen sowie eine enge internationale Zusammenarbeit mit Polizei- und Justizbehörden. Unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen, begrenzte personelle oder technische Ressourcen sowie eine mangelnde Kooperationsbereitschaft in einzelnen Zielländern können die Fahndungsarbeit zusätzliche erschweren. Neben kriminalistischem Fachwissen sind daher insbesondere Beharrlichkeit, Geduld, Verhandlungsgeschick und ein hohes Maß an Durchhaltevermögen erforderlich. Trotz dieser anspruchsvollen Rahmenbedingungen gelingt es den Zielfahndern des Bundeskriminalamtes meistens die flüchtigen Straftäterinnen und Straftäter zu lokalisieren und der heimischen Justiz zuzuführen.