Kriminalitätsbekämpfung
Weniger Schlepper und Geschleppte – Lagebericht 2024 zeigt deutlichen Rückgang
Der aktuelle Lagebericht des Bundeskriminalamtes zeigt für 2024 einen deutlichen Rückgang bei Schlepperei und irregulärer Migration nach Österreich. Gleichzeitig bleiben Menschenhandel, illegales Glücksspiel und Sozialleistungsbetrug bedeutende Herausforderungen im Bereich der organisierten Kriminalität.
Rückgang bei Schlepperei durch internationale Zusammenarbeit
2024 wurden 5.736 geschleppte Personen registriert – ein Minus von 84 Prozent gegenüber 2023 (35.483). Die meisten Betroffenen stammten aus Syrien (2.402), gefolgt von Afghanistan (1.121), der Türkei (478) und Marokko (357). Mehr als 60 Prozent, der überwiegend männlichen Personen, waren zwischen 18 und 34 Jahre alt. Die Gesamtzahl der Aufgriffe irregulär eingereister oder aufhältiger Personen sank um mehr als die Hälfte – von 63.603 auf 28.079. Auch die Zahl der festgenommenen Schlepper ging von 751 auf 225 zurück.
"Österreich zeigt im Vergleich zu anderen EU-Staaten einen gegensätzlichen Trend – einen deutlichen Rückgang an Personen, die nach oder über Österreich geschleppt wurden – die Schlepper meiden Österreich zunehmend", erklärt Gerald Tatzgern, Leiter der Abteilung für Schlepperei, Menschenhandel und Sonderermittlungen.
Grund dafür sind die Zerschlagung großer Schleppernetzwerke, verstärkte Grenzkontrollen und intensive internationale Zusammenarbeit. Die Migrationsrouten verlagerten sich teilweise über Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien und Italien oder umgingen Österreich vollständig. Die meisten Aufgriffe erfolgten in den Bezirken Neusiedl am See, Bruck an der Leitha, Josefstadt/Wien und Innsbruck-Land.
Zunahme bei Menschenhandel und Sozialleistungsbetrug
Während die Schlepperei rückläufig war, stieg der Menschenhandel leicht an. 36 Personen standen im Verdacht des Menschenhandels, 31 im Verdacht des grenzüberschreitenden Prostitutionshandels. 64 Opfer wurden identifiziert, die Mehrheit weiblich, darunter auch mehr minderjährige Betroffene als im Vorjahr. Täter nutzen verstärkt soziale Medien und gefälschte Jobangebote, um Opfer zu rekrutieren.
Der Sozialleistungsbetrug erreichte mit 4.865 Anzeigen einen neuen Höchstwert, ein Plus von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Aufklärungsquote erreichte auch im Jahr 2024 einen hervorragenden Wert, und lag bei 99,5 Prozent. Diese Zahlen unterstreichen die hervorragende und effektive Zusammenarbeit zwischen Polizei, Finanzpolizei, Sozialbehörden, Fremdenwesen und dem Arbeitsmarktservice. Wien verzeichnete die meisten Fälle, das Burgenland die wenigsten. Schwerpunktkontrollen, auch an Grenzübergängen wie dem Flughafen Wien-Schwechat, trugen ebenfalls zu einer hohen Aufklärungsquote bei. Seit 2018 wurde durch die Taskforce SOLBE ein Gesamtschaden von über 135,6 Millionen Euro aufgedeckt.
Organisiertes Glücksspiel und Visaerschleichung im Fokus
Illegales Glücksspiel – zunehmend online und mit Kryptowährungen – bleibt ein wachsendes Problem. Bei einer internationalen Aktion im Dezember 2024 wurden 46 illegale Standorte geschlossen, 1.000 Geräte beschlagnahmt und 1.449 illegale Online-Glücksspielseiten festgestellt.
Auch die sogenannte Visaerschleichung nahm zu. Österreich beteiligt sich am EMPACT-Projekt "Operation Bride", um Missbrauch wie Aufenthaltsehen und gefälschte Unterlagen zu bekämpfen. Im Jahr 2024 wurden rund 500 Ermittlungsverfahren in diesem Zusammenhang geführt.
"Der Rückgang der Schlepperei ist ein deutliches Zeichen dafür, dass konsequente Ermittlungsarbeit auf Bundesebene wirkt. Durch die koordinierte Arbeit des Bundeskriminalamts und eine enge internationale Vernetzung konnten wir kriminelle Strukturen nachhaltig schwächen, und dadurch wichtige Erfolge im Kampf gegen das organisierte Verbrechen erzielen", betonte der Direktor des Bundeskriminalamtes Andreas Holzer.