Internationales
Globale Razzia gegen Kidflix
Die von Europol unterstützte Operation führte weltweit zu 79 Festnahmen 1.400 Identifikationen von Tatverdächtigen
Kidflix ist eine der größten Pädophilen-Plattformen der Welt. Sie wurde im Rahmen einer internationalen Operation gegen sexuelle Kindesausbeutung erfolgreich aus dem Verkehr gezogen. Die Ermittlungen wurden von Europol unterstützt und von der Bayerischen Kriminalpolizei (Bayerisches Landeskriminalamt) sowie der Zentralstelle zur Bekämpfung von Cyberkriminalität in Bayern (ZCB) geleitet. Insgesamt nahmen weltweit 35 Länder an der Operation teil.
Im Zeitraum von April 2022 bis März 2025 loggten sich weltweit rund 1,8 Millionen Nutzerinnen und Nutzer auf der Plattform ein. Am 11. März 2025 wurde der Server, der zu diesem Zeitpunkt rund 72.000 Videos enthielt, von deutschen und niederländischen Behörden beschlagnahmt.
Die Ermittlungen führten zur Identifizierung von fast 1.400 Verdächtigen weltweit. Unter ihnen wurden bisher 79 Kriminelle wegen des Teilens und Verbreitens von child sexual abuse material (CSAM) festgenommen. Einige der Straftäterinnen und Straftäter luden nicht nur Videos hoch, sondern schauten sie an und missbrauchten auch Kinder. Die Ermittlungen der Operation dauern noch an.
Bisherige Ergebnisse der Operation Stream
Die Operation startete 2021 and resultierte in zwei Aktionswochen vom 10. bis zum 23. März 2025. Bisher gibt es weltweit folgende Ergebnisse:
• 1.400 Tatverdächtige identifiziert
• 79 Verdächtige verhaftet
• über 3.000 elektronischen Geräten beschlagnahmt
• 39 Kinder geschützt
Mehr als 91.000 CSAM Videos
Kidflix wurde 2021 von einem Cyberkriminellen gegründet, der damit enorme Gewinne erzielte, da die Plattform schnell zu einer der beliebtesten unter den Pädophilen wurde. Behörden zufolge wurden während der aktiven Laufzeit der Plattform 91.000 Videos hochgeladen und geteilt, die eine Gesamtlaufzeit von 6.288 Stunden aufweisen. Durchschnittlich wurden etwa 3,5 neue Videos pro Stunde auf die Plattform hochgeladen. Viele davon waren den Strafverfolgungsbehörden vor Beginn der Ermittlungen nicht bekannt.
Im Gegensatz zu anderen bekannten Plattformen dieser Art ermöglichte Kidflix seinen Nutzerinnen und Nutzern den Download von CSAM, aber auch das Streamen dieser Videodateien. Diese zahlten mittels Kryptowährungen, die anschließend in Token umgewandelt wurden. Durch das Hochladen von CSAM, die Überprüfung von Videotiteln und Videobeschreibungen sowie der Kategorisierung von Videos konnten die Kriminellen Token erhalten, mit denen sie die Inhalte ansehen konnten. Jedes Video wurde in mehreren Versionen hochgeladen. Auf diese Weise konnten Nutzerinnen und Nutzer eine Vorschau ansehen und alles darüber hinaus gegen Gebühr freischalten - in niedriger, mittlerer oder hoher Qualität.
Die größte Operation zur Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch in der Geschichte von Europol
Operation Stream war die größte Operation, an der Europol-Expertinnen und Experten im Kampf gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern je beteiligt waren. Gleichzeitig war die Operation einer der größten Fälle, die die Strafverfolgungsbehörde in den vergangenen Jahren unterstützt hat.
Im Zuge der Ermittlungen unterstützten Europol-Analystinnen und Analysten des Europäischen Zentrums für Cyberkriminalität (EC3) nationalen Behören intensiv operativ, indem sie Tausende Videodateien analysierten. Die Expertinnen und Experten von Europol führten außerdem einen umfassenden Abgleich aller verfügbaren Daten durch und übermittelten Beweismaterial an die betroffenen Länder.
Europols Koordinierung des Informationsaustausches während der Ermittlungen und der Aktionstage war für den Erfolg der Operation entscheidend. Die Zusammenführung von Partnerinnen und Partnern für internationale Kooperationen und gemeinsame Aktionen ist eine von Europols Hauptprioritäten um den Kampf gegen alle Formen von schwerer internationaler und organisierter Kriminalität, sowie Cyberkriminalität und Terrorismus zu verstärken.
Was online passiert, bleibt online
Child sexual exploitation (CSE) ist eine der größten Bedrohungen für die Sicherheit der EU, die im kürzlich veröffentlichten Bericht zur Bewertung der Bedrohungslage im Bereich der schweren organisierten Kriminalität (Serious Organsied Crime Threat Assessment Report kurz SCOTA) identifiziert wurde. Die digitale Transformation hat eine rasante Entwicklung der Online-CSE ausgelöst und bietet Kriminellen eine grenzenlose Plattform, um Opfer zu kontaktieren und zu manipulieren sowie CSAM zu erstellen, zu speichern und auszutauschen. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren weiter verstärken.
Die Online-Welt ist keine anonyme Welt. Die meisten identifizierten Verdächtigen, die im Rahmen der Operation Stream identifiziert wurden, stimmten mit den Datenbanken von Europol überein. Die meisten Kriminellen, die an sexueller Kindesausbeutung beteiligt sind, begehen diese Straftaten wiederholt und sind den Strafverfolgungsbehörden nicht unbekannt.
Sexuelle Ausbeutung von Kindern stellt eine große Bedrohung dar, weshalb der Kampf gegen schwere und organisierte Kriminalität zu einer Priorität der EU wurde. Seit 2017 führt Europol die Initiative Stop Child Abuse – Trace An Object durch. Im Zuge dessen werden Bürgerinnen und Bürger dazu ermutigt, bei der Identifizierung von Objekten zu helfen, um Polizeibedienstete bei der Rettung von missbrauchten Kindern zu unterstützen.
Auf Ersuchen von EU-Mitgliedsstaaten und anderen Partnern, veranstaltet Europol zweimal jährlich eine Taskforce zur Opferidentifizierung. Diese Initiative bringt Strafverfolgungsbehörden zusammen, um gemeinsam Ermittlungen lokalisieren zu können und Opfer zu identifizieren. Daraufhin konnten Kinder in Deutschland und Australien geschützt werden.
Zwischenstand der Ergebnisse in Österreich
Die Operation Stream ist ein Beispiel für ausgezeichnete Zusammenarbeit im CSE-Bereich auf nationaler sowie internationaler Ebene. In Österreich wurden 11 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Ein Straftäter konnte aufgrund dessen einschlägiger Vorstrafe festgenommen werden. In Österreich wurde kein Opfer identifiziert.
Die Organisation und Aufbereitung der Beweismittel erfolgten durch das Referat "Sexualstraftaten und Kindesmissbrauch online" des Bundeskriminalamtes (BK). Die Durchführung der weiteren Maßnahmen erfolgte durch die Landeskriminalämter Niederösterreich, Steiermark, Salzburg, Tirol, Vorarlberg und Wien.
Teilnehmende Länder
Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, England, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Island, Irland, Italien, Kolumbien, Kanada, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien, Slowakei, Spanien, Schweden, Schweiz, Tschechien, Ungarn, USA