Internationales

Menschenhandels-Netzwerk zerschlagen: 1,5 Millionen Euro durch sexuelle Ausbeutung erwirtschaftet

In einer koordinierten internationalen Aktion ist es österreichischen und rumänischen Strafverfolgungsbehörden gelungen, ein grenzüberschreitend agierendes Netzwerk des Menschenhandels und der sexuellen Ausbeutung zu zerschlagen. Die Ermittlungen erfolgten in enger Zusammenarbeit mit Eurojust, Europol sowie unter maßgeblicher Beteiligung des österreichischen Bundeskriminalamtes, dem Landeskriminalamt Wien und der rumänischen Polizei.

Am internationalen Aktionstag am 5. Mai 2026 wurden in Rumänien fünf Tatverdächtige festgenommen. Gleichzeitig fanden acht Hausdurchsuchungen in Rumänien sowie drei weitere in Österreich statt. Die Maßnahmen richteten sich gegen eine organisierte kriminelle Gruppe, die junge rumänische Frauen unter Vorspiegelung romantischer Beziehungen nach Österreich lockte und dort zur Prostitution zwang.

Die Ermittlungen ergaben, dass die Tätergruppierung seit Anfang 2023 arbeitsteilig organisiert agierte. Innerhalb der Organisation bestanden klar definierte Rollen – von der Rekrutierung der Opfer über deren Transport und Unterbringung bis hin zur Kontrolle und Ausbeutung im Prostitutionsmilieu. Insgesamt konnten bislang mehr als 20 Opfer identifiziert werden. Einige der betroffenen Frauen befanden sich in besonders vulnerablen Lebenssituationen oder litten an psychischen Problemen.

Nach bisherigen Erkenntnissen erwirtschaftete die kriminelle Organisation rund 1,5 Millionen Euro durch sexuelle Ausbeutung. Die Gewinne wurden unter anderem in Immobilien und Luxusfahrzeuge investiert sowie über Bekannte der Beschuldigten transferiert.

"Der erfolgreiche Abschluss dieser koordinierten Ermittlungsmaßnahmen ist ein bedeutendes Signal im internationalen Kampf gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung. Die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen nationalen und internationalen Sicherheits- und Justizbehörden war dabei von zentraler Bedeutung. Ich danke allen beteiligten Kräften für ihren professionellen Einsatz und ihre hervorragende Zusammenarbeit", sagt Direktor des Bundeskriminalamtes, Andreas Holzer.

Enge internationale Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Die grenzüberschreitende Dimension des Falles machte eine intensive internationale Kooperation erforderlich. Bereits Ende 2025 beziehungsweise Anfang 2026 wurde unter der Koordination von Eurojust ein gemeinsames Ermittlungsverfahren ("Joint Investigation Team" – JIT) zwischen Österreich und Rumänien eingerichtet. Dieses ermöglichte einen unmittelbaren Austausch von Informationen und Beweismitteln zwischen den beteiligten Behörden.

Europol leistete operative Unterstützung für Österreich und Rumänien. Europols Experten wurden am Einsatztag mit einem mobilen Büro eingesetzt und richteten Virtual Command Post (VCP) ein, um den Informationsaustausch zu erleichtern.

Während der Koordinierungstreffen im Eurojust-Hauptquartier in Den Haag wurde ein Aktionstag geplant, um die kriminelle Gruppe zu bekämpfen. Am 5. Mai nahmen die Behörden vier Verdächtige fest und führten acht Durchsuchungen in Rumänien sowie drei Durchsuchungen in Österreich durch.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit unterstreicht die hohe Bedeutung internationaler Kooperationen im Kampf gegen Menschenhandel, organisierte Kriminalität und sexuelle Ausbeutung. Durch das koordinierte Vorgehen der europäischen Sicherheits- und Justizbehörden konnte ein bedeutender Schlag gegen ein professionell agierendes kriminelles Netzwerk erzielt werden.

Ergebnisse in Österreich
In Österreich wurden die Ermittlungen federführend durch das Bundeskriminalamt sowie das Landeskriminalamt Wien geführt. Im Zuge der koordinierten Maßnahmen am 5. Mai 2026 erfolgten drei Durchsuchungen in Wien-Favoriten, unter anderem in einem Studio in der Triester Straße sowie in zwei weiteren Wohnungen.

Dabei konnten sechs weibliche Opfer identifiziert und einvernommen werden. Zudem wurden zehn Mobiltelefone sichergestellt, die nun kriminaltechnisch ausgewertet werden. Weitere Ermittlungen laufen, da vor Ort zahlreiche Kontrollkarten sichergestellt wurden, deren Inhaberinnen zum Zeitpunkt der Amtshandlung nicht anwesend waren. Die Behörden prüfen daher, ob weitere Frauen Opfer der kriminellen Organisation wurden.

Das Bundeskriminalamt betont, dass der Kampf gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung weiterhin einen zentralen Schwerpunkt der kriminalpolizeilichen Arbeit darstellt. Die enge Zusammenarbeit mit internationalen Partnerbehörden sowie europäischen Institutionen ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Artikel Nr: 30280 vom Freitag, 8. Mai 2026, 17:06 Uhr
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