Prävention

Internationaler Arbeitsgipfel "The COM" – Schutz von Kindern und Jugendlichen im Bundeskriminalamt

Internationale und österreichische Expertinnen und Experten diskutieren am 7. und 8. Oktober 2026 im Bundeskriminalamt über gewaltorientierte Online-Gemeinschaften. Im Mittelpunkt stehen die Früherkennung des Phänomens, Prävention und internationale Zusammenarbeit.

Das österreichische Bundeskriminalamt veranstaltet am 7. und 8. Oktober 2026 unter dem Titel "Risks to children in the digital space" einen internationalen Arbeitsgipfel zum Phänomen "The COM". Expertinnen und Experten von Europol, dem US-amerikanischen Federal Bureau of Investigation (FBI), deutschen Sicherheitsbehörden sowie des Bundeskriminalamtes und weiterer österreichischer Partnerinstitutionen kommen in Wien zusammen, um aktuelle Entwicklungen und gemeinsame Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Kriminalitätsform zu diskutieren. Im Fokus stehen insbesondere der Schutz von Kindern und Jugendlichen, die frühzeitige Erkennung möglicher Gefährdungen sowie die nationale und internationale Zusammenarbeit.

"The COM" – eine Bedrohung im digitalen Raum

Die Bezeichnung "The COM" leitet sich vom englischen Begriff "The Community" ab und beschreibt ein internationales, dezentral organisiertes Netzwerk unterschiedlicher gewaltorientierter Online-Gruppierungen. Anders als klassische kriminelle Organisationen verfügen diese Netzwerke über keine einheitliche Führung oder feste Hierarchie. Die Mitglieder vernetzen sich vorwiegend über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, Gaming-Plattformen und Online-Communities.

Das Phänomen umfasst unterschiedliche Kriminalitätsbereiche, darunter Cyberkriminalität, Erpressung, sexuelle Ausbeutung, gezielte Manipulation sowie die Verherrlichung von Gewalt und Selbstverletzungen. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, die gezielt angesprochen und durch vermeintliche Freundschaften, Anerkennung oder das Gefühl der Zugehörigkeit an entsprechende Gruppierungen gebunden werden. Daraus können Abhängigkeiten, Erpressung und massive Gewalt entstehen.

Bundeskriminalamt setzt auf Früherkennung und Prävention

Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, wurde im Frühjahr 2026 über Initiative des Direktors des BK die Arbeitsgruppe "The COM" (AG The COM) eingerichtet. Gemeinsam mit der Partnerdirektion DSN wird das Ziel verfolgt, Erkenntnisse zu bündeln, Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Deliktsbereichen frühzeitig zu erkennen und die bundesweite Bekämpfung des Phänomens zu unterstützen.

Ein wesentlicher Bestandteil ist die Erstellung eines österreichweiten Lagebildes. Dafür werden mögliche Verdachtsfälle systematisch analysiert, vorhandene Informationen zusammengeführt und internationale Erkenntnisse ausgewertet. Dadurch sollen Entwicklungen frühzeitig sichtbar und gezielte Maßnahmen ermöglicht werden.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Präventions- und Sensibilisierungsarbeit. Das Bundeskriminalamt, federführend das Büro 3.2 – Allgemeine Kriminalität, arbeitet dazu eng mit staatlichen und nichtstaatlichen Partnerinstitutionen zusammen, insbesondere aus den Bereichen Kinder- und Jugendschutz, Familie und Gewaltprävention. Ziel ist es, Eltern, Kinder und Jugendliche sowie die Bevölkerung über das Phänomen, mögliche Gefahren und Warnsignale aufzuklären und potenzielle Opfer frühzeitig zu schützen.
Parallel dazu werden Polizistinnen und Polizisten bundesweit durch gezielte Schulungs- und Informationsmaßnahmen sensibilisiert. Webinare, interne Informationsangebote und die Weiterentwicklung bestehender Präventionsprogramme sollen dazu beitragen, mögliche Hinweise auf COM-Netzwerke bereits im polizeilichen Alltag zu erkennen, richtig einzuordnen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Internationale Zusammenarbeit als Schlüssel

Da COM-Netzwerke grenzüberschreitend agieren, ist eine enge internationale Zusammenarbeit unverzichtbar. Österreich beteiligt sich daher auch am von Europol koordinierten Projekt COMPASS, das den Austausch operativer Erkenntnisse und die Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden stärkt.

Der zweitägige Arbeitsgipfel dient dazu, internationale und nationale Erfahrungen zusammenzuführen und gemeinsame Handlungsansätze weiterzuentwickeln. Thematisiert werden unter anderem Gefährdungsbewertung, Prävention, Deradikalisierung, Resozialisierung sowie der praktische Umgang mit Verdachtsfällen.

"The COM zeigt, wie rasch sich kriminelle Netzwerke im digitalen Raum entwickeln und wie gezielt dabei insbesondere junge Menschen angesprochen werden. Unser Ziel ist es, diese Strukturen frühzeitig zu erkennen, Täter konsequent zu verfolgen und vor allem Kinder und Jugendliche zu schützen. Dafür braucht es nationale und internationale Zusammenarbeit, umfassende Aufklärung und gezielte Prävention. Wir müssen Eltern und junge Menschen sensibilisieren und gleichzeitig unsere Polizistinnen und Polizisten bestmöglich auf dieses Phänomen vorbereiten", betont Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes.

Der Arbeitsgipfel bildet dabei den Auftakt für die weitere gemeinsame Arbeit in diesem Bereich. Die gewonnenen Erkenntnisse und fachlichen Beiträge werden in den kommenden Monaten aufgearbeitet, bestehende Ansätze weiterentwickelt und konkrete Handlungsfelder vertieft. Ziel ist es, auf dieser Grundlage die nationalen und internationalen Maßnahmen im Umgang mit dem Phänomen weiter zu schärfen. Über weitere Entwicklungen und daraus resultierende Maßnahmen wird zu gegebener Zeit informiert.

Mit dem Arbeitsgipfel stärkt das Bundeskriminalamt gemeinsam mit der Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst die nationale und internationale Vernetzung, um Kinder und Jugendliche wirksam vor Manipulation, Ausbeutung und Gewalt im digitalen Raum zu schützen.

Artikel Nr: 30761 vom Donnerstag, 8. Oktober 2026, 08:40 Uhr
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