Zivilcourage

Der Begriff „Zivilcourage“, wörtlich übersetzt „Bürgermut“, setzt sich aus den beiden Wörtern zivil (lateinisch civilis für „bürgerlich“) und courage (französisch für „Mut“) zusammen. Auf die Frage, was man darunter versteht, gibt es viele Erklärungsansätze wie z.B. folgende:

Zivilcourage ist keine Technik oder Methode, sondern eine Haltung. Deshalb ist es nicht einfach sozialen Mut zu entwickeln. Es geht immer darum, sich mit den moralischen Werten (Menschenwürde, Freiheit, Leid vermindern, Diskriminierung vermeiden, etc.) auseinanderzusetzen, die man verwirklichen will.

Tatsächlich tätig zu werden und zu helfen, läuft in fünf Schritten ab.

Die fünf Schritte zur Zivilcourage

  • Schritt 1: Ereignis bemerken
    Zuerst muss man das betreffende Ereignis überhaupt einmal bemerken.
    Hindernis dabei sind z.B. Ablenkungen. Wer mit Kopfhörern im Handy versunken ist, wird vielleicht nicht bemerken, dass jemand Hilfe benötigt.
  • Schritt 2: Interpretation des Ereignisses als eine Notsituation
    Das Ereignis muss als Notsituation erkannt werden.
    Hindernis dabei sind zum Beispiel, dass man annimmt eine Situation sei einfach nur ein Spaß unter Freunden und das Phänomen der Pluralistischen Ignoranz (Tendenz sich in unklaren Situationen am Verhalten anderer zu orientieren – „gemeinsames bewusstes Wegschauen“)
  • Schritt 3: Verantwortlich fühlen für die Hilfeleistung
    Man muss sich für die Hilfeleistung verantwortlich fühlen.
    Hindernis dabei ist zum Beispiel die sogenannte Verantwortungsdiffusion (viele Zuschauer – keiner hilft; jeder verlässt sich auf den anderen: „Jemand anderes wird schon was tun“)
  • Schritt 4: Entscheidung wie zu helfen ist
    Man muss für sich entscheiden, wie man helfen ist – das ist abhängig von den eigenen Kompetenzen.
    Ein typisches Hindernis ist zum Beispiel, dass man das Gefühl hat, gar nichts machen zu können. Zumindest den Notruf kann man allerdings immer verständigen.
  • Schritt 5: Helfen/aktives Tun
    Im letzten Schritt muss man die Entscheidung etwas zu tun dann auch wirklich umsetzen.
    Ein Hindernis sind zum Beispiel soziale Hemmungen, die Angst davor, tatsächlich nach vorne zu treten und die Person zu sein, die etwas tut.

Was tun, wenn ich, in eine solche Situation komme?

Delikte wie Raub, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahl, aber auch Belästigungen ereignen sich häufig in der Öffentlichkeit. Die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger bei der Ausforschung des Straftäters ist auch für die Polizei äußerst wichtig. Leider sind oft Gleichgültigkeit, Bequemlichkeit und Desinteresse am Schicksal des Nächsten in unserer Gesellschaft anzutreffen. Es muss uns aber klar sein, dass diese Einstellung ein Klima begünstigt, in dem es Straftätern leichtfällt, weitgehend ungehindert zu agieren. Jeder Mensch trägt einen kleinen Teil dazu bei, dass wir insgesamt in Sicherheit leben können.

Ich helfe!

Jeder Mensch kann im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen, eine Straftat zu verhindern. Dafür muss man sich nicht in Gefahr bringen. Die Bandbreite an möglichen Unterstützungshandlungen ist groß. Manchmal hilft schon ein lautes Wort, um dem Täter zu zeigen, dass sein Verhalten nicht einfach ignoriert wird und ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Sehr wichtig ist es, sich bemerkbar zu machen und klar zu verstehen zu geben, dass man hinsieht und im Zweifelsfall die Polizei ruft. Wichtig ist eine umsichtige Reaktion. Niemand erwartet, dass Sie Ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. Es gibt Situationen, in denen die Täter offensichtlich stärker und zu jeder Art von Gewalt bereit sind. Aber es ist keine Lösung, wegzuschauen oder wegzulaufen.

Hier ein paar Tipps:

  • Suchen Sie Mitstreiter und verständigen Sie die Polizei.
  • Achten Sie auf räumliche Distanz zum Täter und sprechen Sie das Opfer an: „Kommen Sie zu uns, wir helfen Ihnen!“
  • Greifen Sie ein und machen Sie klar, dass Gewalt keine Privatangelegenheit ist.
  • Wichtig: „Duzen“ Sie den Täter nicht, denn sonst könnten umstehende Passanten einen rein persönlichen Konflikt vermuten und die Situation vielleicht nicht als Notsituation einschätzen.
  • Vermeiden Sie es, den Täter zu provozieren oder sich von ihm provozieren zu lassen!
  • Behalten Sie einen kühlen Kopf, denn schließlich geht es um unsere Sicherheit.

Ich fordere andere aktiv zur Mithilfe auf!

Oft ereignen sich Straftaten am helllichten Tag und unter den Augen zahlreicher Zeugen, mitten in der Fußgängerzone, beim Einkaufen oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln: Ein Mensch wird bestohlen, beraubt, bedroht oder gar geschlagen. Viele haben es gesehen, doch die meisten wenden sich einfach ab. Dabei hätte so einfach Schlimmeres verhindert werden können, indem alle gemeinsam etwas unternommen hätten.

Hier ein paar Anregungen:

  • Warten Sie nicht darauf, dass „irgendjemand irgendetwas“ unternehmen wird.
  • Reagieren Sie als Erste oder Erster und machen Sie andere gezielt auf das Verbrechen aufmerksam. Einer direkten Ansprache kann sich niemand entziehen: „Sie, der Herr im blauen Hemd, helfen Sie mir.”
  • Vergeben Sie aktiv Aufgaben an andere. Während eine Person die Polizei ruft, kann ein anderer Ihnen helfen, ein Opfer zu unterstützen, sich Notizen zum Aussehen des Täters machen oder Erste Hilfe leisten.
  • Wenden Sie sich an das Personal in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ich beobachte!

Oft sind Details von großer Wichtigkeit. Wie groß ist der Täter? Welche Haarfarbe hat er? Wie war er bekleidet? Mit welcher Automarke ist er entkommen? Verbrechen geschehen nicht selten in Bruchteilen von Sekunden: Die Täter schlagen zu und machen sich blitzschnell aus dem Staub, ohne dass Sie direkt eingreifen können.

Trotzdem ist Ihre Hilfe sehr wichtig:

  • Beobachten Sie die Szene aufmerksam. Merken Sie sich, in welche Richtung die Täter entkommen sind. Notieren Sie sich Ihre Beobachtungen.
  • Oft sind es vermeintliche Nebensächlichkeiten, die am Ende den Ausschlag geben, dass ein Verbrechen aufgeklärt und der Täter überführt werden kann.
  • Wenn Sie sich ein Detail nicht gemerkt haben, geben Sie es ruhig zu. Niemand wird Ihnen einen Vorwurf machen. Aus falschem Schamgefühl einen erfundenen Hinweis zu geben, kann die Ermittlungen in die falsche Richtung führen.
  • Die Polizei ist oftmals auf Ihre Unterstützung angewiesen: Ohne Ihre genaue Beschreibung kommen die Ermittlungen nicht voran. Melden Sie der Polizei deshalb alles, was Sie gesehen haben – möglichst detailliert.

Ich organisiere Hilfe – Notruf 133!

Nach einem Verbrechen zählt jede Sekunde: Je schneller die Polizei informiert wird, desto eher können die Täter gefunden werden. Gerade mit dem Handy ist eine zügige Verständigung sehr gut möglich. Ein Handy kann auch helfen, Verbrechen aufzuklären. Der Notruf 133 ist schnell gewählt – gebührenfrei.

Hier einige Tipps:

  • Bei Ihrem Anruf kommt es darauf an, dass Sie der Polizei das Geschehen in wenigen Worten, aber dennoch umfassend schildern (Wer, Was, Wo, Wann, Wie?).
  • Bedenken Sie: Auch Vermutungen helfen der Polizei bei der Ermittlungsarbeit oft weiter.

Ich leiste Erste Hilfe!

Erste Hilfe ist die beste Hilfe. Jedes Opfer muss sofort versorgt werden, denn oft kann eine Sekunde über Leben und Tod entscheiden.

Eine Handlungsanleitung:

  • Alarmieren Sie den Rettungsdienst. Helfen kann jeder – auch wenn Sie es sich im ersten Augenblick vielleicht nicht zutrauen.
  • Kümmern Sie sich unverzüglich um verletzte Personen. Bereits einfache Handgriffe wie das Verbringen des Verletzten in die stabile Seitenlage können für das Opfer lebenswichtig sein. Auch das Beruhigen eines unter Schock stehenden Mitmenschen ist von großer Wichtigkeit.
  • Im Notfall darf nur das Opfer für Sie wichtig sein. Achten Sie daher nicht einzig darauf, ob Ihre neue Hose einen Fleck abbekommt.
  • Wenn Sie nicht aktiv bei der Versorgung des Opfers tätig sind, sollten Sie die Unfallstelle oder den Tatort meiden: Rettungsdienste und Polizei verlieren nicht selten wertvolle Minuten, weil Schaulustige die Zufahrtswege blockieren.

Ich bin Zeuge!

Gemäß dem alten Sprichwort „Wo kein Kläger, da kein Richter“ melden sich viele Zeugen nicht bei der Polizei, sei es aus Angst, Zeitmangel oder einfach aus Bequemlichkeit. Verbrecher werden geradezu ermuntert, ihre Straftaten fortzusetzen, wenn ihnen keine Konsequenzen drohen.

Die Polizei ersucht daher um Mithilfe:

  • Ohne Ihre detaillierten Angaben über das Geschehen und den oder die Täter ist eine Überführung nur sehr schwer möglich. Denken Sie daran: Auch Sie könnten in eine Situation kommen, in der Sie auf die beherzte Unterstützung von Helfern und Zeugen angewiesen sind.
  • Sorgen Sie deshalb mit Ihrer Aussage dafür, dass Straftaten aufgeklärt werden können. Denn nur mit Ihrer Hilfe ist es der Polizei möglich, effektiv handeln zu können.

Service und Kontakt

Polizei-Servicenummer 059-133

Wo immer Sie in Österreich die Polizei-Servicenummer 059-133 wählen – Sie gelangen immer zur nächstgelegenen Polizeidienststelle. Anrufe von Mobiltelefonen werden zum zuständigen Bezirkspolizeikommando oder Stadtpolizeikommando weitergeleitet.

Die Servicenummer 059-133 ersetzt jedoch nicht den Notruf. Bei unmittelbar drohender Gefahr rufen Sie bitte den

  • Polizei-Notruf ⟶ 133
  • Euro-Notruf ⟶ 112

Letzte Aktualisierung: 26. September 2025