Kriminalitätsbekämpfung

Online-Kindesmissbrauch: Ermittler konnten 895 Verdächtige identifizieren

Im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern arbeitet das Bundeskriminalamt eng mit Internet Service Providern und NGOs zusammen. Das zeigte auch im für diesen Deliktsbereich sehr heiklen Jahr 2020 seine Wirkung: Mit 895 identifizierten Verdächtigen konnte die Klärungsquote gegenüber dem Vorjahr signifikant verbessert und das Dunkelfeld gefährdeter Kinder weiter ausgeleuchtet werden.

Europol hat im Frühjahr 2020 angesichts der anstehenden Covid-Maßnahmen, wie Ausgangsbeschränkungen und der verstärkten Nutzung des Internets als Kommunikationsmedium, einen signifikanten Anstieg im Bereich des sexuellen Missbrauchs Unmündiger nach den §§ 206 und 207 Strafgesetzbuch (StGB) und der pornografischen Darstellungen Minderjähriger nach §207a StGB prognostiziert. Bei der Verbreitung von Online-Kindesmissbrauch spielen Soziale Medien eine entscheidende Rolle. Ein verlässlicher Indikator, der rasch Veränderungen und Steigerungen von Online-Kindesmissbrauch zeigt, sind die Verdachtsmeldungen von kanadischen und US-Internetdienstanbietern, die Strafverfolgungsbehörden auf der ganzen Welt basierend auf den IP-Adressen der Verdächtigen über das US-amerikanische National Centers für Missing and Exploited Children (NCMEC) übermittelt werden. In den letzten Jahren war ein stetiger Anstieg dieser NCMEC-Meldungen zu verzeichnen: 2019 wurden weltweit 16,9 Millionen Verdachtsmeldungen von Online-Kindesmissbrauch gemeldet. Das entspricht beinahe einer Vervierfachung der Meldungen seit dem Jahr 2015 (4,4 Millionen).

Online-Kindesmissbrauch in Österreich
Auch Österreich ist von dieser steigenden Entwicklung betroffen. Die Anzahl der vom BK als Zentralstelle zu bearbeitenden NCMEC-Verdachtsmeldungen hat sich in den Jahren 2017 bis 2019 von 2.748 auf 6.760 Fälle mehr als verdoppelt. Für das Jahr 2020 wurden in Österreich via NCMEC bislang 5.658 Verdachtsfälle gemeldet. Das bedeutet, dass der im Zusammenhang mit Pandemie prognostizierte signifikante Anstieg zumindest hierzulande ausgeblieben ist. Die Fallzahlen haben sich auf einem hohen, wenngleich unter dem Vorjahr liegenden, Niveau eingependelt.
520 Verdachtsfälle wurden darüber hinaus über die Meldestelle für Sexualstraftaten und Kinderpornografie im BK gemeldet, 2019 waren es 411. Verdachtsmeldungen sind meist die einzigen Anhaltspunkte, um auf Kindesmissbrauch, sei es in der analogen oder digitalen Welt, aufmerksam zu werden und als Kriminalpolizei entsprechend reagieren zu können. Vor allem die über NCMEC im BK einlangenden Meldungen der Internet Service Provider tragen wesentlich dazu bei, das Dunkelfeld der durch sexuellen Missbrauch gefährdenden Kinder auszuleuchten.

Erfolgreiche Bilanz für 2020
Was die Identifizierung der Verantwortlichen für die Verbreitung von Kindesmissbrauchsmaterials im Internet betrifft, war das Jahr 2020 für die Ermittler ein sehr erfolgreiches. Sie konnten 895 Verdächtige, das waren 200 mehr als im Vorjahr, identifizieren und damit erheblich zum Schutz und zur Sicherheit gefährdeter Kinder beitragen.

Vernetzung und Spezialisierung
Mit Dezember 2018 wurde im BK ein eigenes Referat für Sexualstraftaten und Kinderpornografie eingerichtet. Als eigenständige Ermittlungseinheit hat sich das Referat auf die Bekämpfung von Online-Kindesmissbrauch spezialisiert und als kompetente Partner sowohl nationale und internationale Internetservice Provider als auch die Landeskriminalämter. In dieser Funktion steht das Referat nicht nur mit dem European Cybercrime Centre (EC3) bei Europol und mit Interpol in ständigem Austausch, sondern steht auch mit den Strafverfolgungsbehörden der EU-Mitgliedstaaten, den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, den Philippinen und Thailand in ständigem Kontakt.
Beispielhaft für die funktionierende Vernetzung des BKs auf nationaler und internationaler Ebene ist die Festnahme eines in Österreich agierenden kroatischen Täters. Dieser konnte im Spätsommer 2020 in enger Zusammenarbeit mit dem steirischen Landeskriminalamt und den kroatischen Behörden festgenommen werden. Auslöser der Ermittlungen war eine NCMEC-Meldung, durch die das BK auf ein minderjähriges Mädchen aufmerksam wurde. Das Kind wurde – wie sich später herausstellte - von ihrer Tante, der Lebensgefährtin des Täters, in der elterlichen Wohnung mit einer Hidden-Cam heimlich beim Duschen gefilmt. Ermittler des LKA Steiermark fanden heraus, dass es nicht nur zur Aufnahme und Verbreitung von Nacktfotos des Kindes gekommen war, sondern es auch zu sexuellen Übergriffen durch den Lebensgefährten der Tante gekommen war. Der Fall zeigt eindringlich, dass hinter jedem Online-Kindesmissbrauch ein reales Opfer von sexueller Gewalt steht. Die betroffenen Kinder können nur durch das polizeiliche Einschreiten in der analogen Welt vor weiteren Gefahren geschützt werden.

Österreicher ausgeforscht und festgenommen
Die Spezialisten im Referat nehmen jedoch nicht nur Hinweise entgegen und bearbeiten angezeigte Fällen, sondern sie ermitteln auch proaktiv. So konnte basierend auf Nachforschungen der Experten im BK ein österreichischer Missbrauchstäter identifiziert und festgenommen werden. Der Mann hat zumindest elf unmündige beziehungsweise minderjährige Opfer in Indien mehrfach schwer sexuell missbraucht. Die Taten fanden während seiner mehrmonatigen Aufenthalte in Indien statt. Der bereits einschlägig vorbestrafte Beschuldigte zeigte sich umfassend geständig und wurde 2020 zu fünfeinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt. Im Zuge des Berufungsverfahrens wurde das Strafmaß um weitere sechs Monate erhöht.

Was tue ich kinderpornografische Bilder oder Videos erhalten oder zufällig entdeckt habe?
• Öffnen Sie Bilder und Videos auf keinen Fall. Bereits der Besitz ist strafbar, spätestens wenn die Bilder oder Videos bewusst geöffnet werden, tritt die Strafbarkeit ein.
• Melden Sie Bilder und Videos der Meldestelle für Kinderpornografie und Kindersextourismus im Bundeskriminalamt unter meldestelle@interpol.at oder +43(0)1-24836-951310.
• Löschen Sie die Bilder und leiten Sie sie nicht weiter, auch nicht der Polizei, da dies im Hintergrund zu Ermittlungen führen kann.
• Melden Sie kinderpornografisches Material oder teilende Personen in sozialen Netzwerken, auch um Ermittlungen gegen die eigene Person zu verhindern.
• Achtung bei sogenannten Scherzvideos, die Kinder oder Jugendliche in sexuellen Handlungen untereinander, in sexuellen Handlungen mit Tieren oder Tiere in sexuellen Handlungen mit Kindern (Babykatze, die mit dem Penis eines Babys spielt) zeigen. Es handelt sich dabei um Online-Kindesmissbrauch, der ausnahmslos strafrechtlich verfolgt wird.

Artikel Nr: 18438 vom Mittwoch, 10. Februar 2021, 08:00 Uhr
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