Kriminalitätsbekämpfung
Strategische Finanzstromanalyse: vom Einzelfall zum Typus
Feststellungen neuer Trends im Bereich von Geldwäsche/Terrorismusfinanzierung, Finanzdatenanalysen und Stakeholder-Management prägen den Alltag der Bediensteten des Referats strategische Finanzstromanalyse im Bundeskriminalamt. Welche weiteren Tätigkeitsfelder die Bediensteten täglich begleiten, erfahren Sie in diesem Artikel.
Österreichweit gibt es eine Zentralstelle für die Entgegennahme und Analyse von Sachverhalten in Zusammenhang mit Geldwäsche, ihren Vortaten und der Terrorismusfinanzierung. Die Rede ist von der Geldwäschemeldestelle - Austrian Financial Intelligence Unit (A-FIU) - im Bundeskriminalamt. Sie gehört zur Abteilung 7: Ermittlungen, Betrug und Wirtschaftskriminalität. Die A-FIU beherbergt unter anderem das Referat der strategischen Finanzstromanalyse.
Die verschiedenen Tätigkeitsfelder der strategischen Finanzstromanalyse
Das Referat betrachtet Meldungen und sonstige Informationen aus der Vogelperspektive. Dem Referat obliegt die fallübergreifende (und nicht auf den Einzelfall beschränkte) Analyse von komplexen Verdachtsmeldungen, zur Feststellung und anschließenden Darstellung von Mustern und Trends sowie Typologien zu Methoden der Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung. Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gleichen sich gewissermaßen, denn beide verschleiern den Zweck des Geldes. Die strategische Finanzstromanalyse unterstützt Ermittlungen durch Finanzdatenauswertungen und –Analysen im Vorfeld. Da sich die A-FIU in der Ermittlungskette ganz vorne befindet, löst sie durch ihre Feststellungen und Analysen regelmäßig große Ermittlungen aus.
Die A-FIU erhält kontinuierlich Meldungen von Banken und anderen dazu verpflichteten Berufsgruppen wie beispielsweise von Rechtsanwälten, Notaren oder Gewerbetreibenden. Das Referat probiert in diesen Zusammenhänge zu erkennen und sie miteinander zu verknüpfen. Die gewonnenen Erkenntnisse leitet das Referat der strategischen Finanzstromanalyse den Meldeverpflichteten via dem gesicherten Kommunikationskanal "goAML" weiter. Die kontinuierliche Weitergabe von gewonnenem Knowhow, auch im Rahmen von Schulungen, dient einerseits der Bewusstseinsbildung bei den meldepflichtigen Berufsgruppen und andererseits der frühzeitigen Erkennung von strafrechtlichen Sachverhalten. Das Referat analysiert nicht nur bereits bekannte Muster, sondern deckt auch neue bisher unbekannte Methoden und Netzwerke auf.
Ein weiterer wichtiger Bereich der strategischen Finanzstromanalyse ist die Risikobewertung. Die Kriminalisten bewerten welche Finanzströme und Methoden ein erhöhtes Risko darstellen. Hierbei wird sich auch im Rahmen der Nationalen Risikoanalyse zu Geldwäsche, Terrorismus- und Proliferationsfinanzierung beteiligt und Methoden nach Relevanz eingeordnet und weitergegeben. Zudem verfasst die A-FIU jährlichen den Gelwäschebericht indem die im jeweiligen Berichtsjahr hervorgegangenen Risiken und Methoden beschrieben werden.
Die A-FIU ist zum Beispiel auch bei Geldrückholungen stark involviert. Hierbei konnten bereits mehrere Erfolgsgeschichten beispielsweise bei Fällen von CEO-Fraud verzeichnet werden. Dabei konnten Kriminalistinnen und Kriminalisten durch nachrichtendienstliche Kanäle und Kontakte Gelder schnell vorab sichern.
Jährliche Geldwäschetagung im Bundeskriminalamt
Zur strategischen Finanzstromanalyse gehört auch das Stakeholder-Management. Die Kriminalisten tauschen sich im Rahmen von verschiedenen Formaten regelmäßig mit der Privatwirtschaft und anderen Behörden aus. Dazu gehört zum Beispiel die jährlich durch das Referat in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und anderen Partnern veranstaltete Geldwäschetagung.
Die besondere Position der A-FIU
Die A-FIU besitzt weitreichende Befugnisse. Personenbezogene Daten dürfen beispielsweise aufgrund einer Datenschutzsonderstellung an die meldeverpflichteten Berufsgruppen und relevanten Behörden weitergegeben werden. Weiters darf die A-FIU im Rahmen ihrer Analyse selbstständig Kontoöffnungen vornehmen, auch das Rechtsanwaltsgeheimnis gilt in den Anwendungsfällen der Geldwäschepräventionsbestimmungen nicht gegenüber der A-FIU.
Internationale Kommunikation mit FIU‘s
Nachrichtendienstlich: Das Referat steht in kontinuierlichem Austausch mit anderen Financial Intelligence Units weltweit. Der Austausch findet über gesicherte Kommunikationskanäle statt. Hierbei wird auf europäischer Ebene über das Tool FIU.net und weltweit über ESW (Egmont Secure Web) kommuniziert. Die erhaltenen Informationen aus dem Ausland lösen sehr häufig Analyseverfahren in der A-FIU aus oder bringen neue Erkenntnisse in bereits laufenden Analysen.