Kriminalitätsbekämpfung

Europaweiter Menschenhändlerring zerschlagen

Bei 18 Hausdurchsuchungen in Rumänien, Großbritannien und Österreich konnten mehrere Verdächtige angetroffen werden, die 28 Frauen zur Prostitution gezwungen haben sollen. Die Opfer waren von vermeintlichen Liebespartnern angeworben worden (Loverboy-Methode) und, im Fall der Verweigerung, mit körperlicher und psychischer Gewalt zur Sexarbeit gezwungen worden.

Am 13. Mai 2020 führten rumänische Ermittler zwecks Zerschlagung eines Menschenhandelsrings 16 Hausdurchsuchungen im Landkreis Giurgiu durch. Dabei wurden 22 Vorladungsbefehle vollstreckt. In Wien erfolgten von Ermittlern des Joint Operational Office des Bundeskriminalamts (BK) und des Landeskriminalamtes Wien (LKA) aufgrund der Europäischen Ermittlungsanordnungen zwei Hausdurchsuchungen. Eine weiter erfolgte in Huddersfield in Großbritannien.

Bei den Hausdurchsuchungen in Wien konnten die Ermittler mehrere Datenträger, Mobiltelefone und Unterlagen von Beschuldigten sicherstellen. Zwei Personen wurden aufgrund eines aufrechten Aufenthaltsverbots dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) vorgeführt.

Bei den Hausdurchsuchungen in Rumänien wurde Bargeld, Schmuck und Uhren, acht Luxusautos, ein Nutzfahrzeug, Waffen, Falschgeld, Parfums, Handys, Laptops und Dokumente, die als Beweismittel dienen, sichergestellt. 15 verdächtige Personen, gegen die Ermittlungen laufen, werden von der Staatsanwaltschaft zur Untersuchung der Straftaten von OK und Terrorismus (DIICOT) einvernommen. Bei der Hausdurchsuchung in Großbritannien wurden zwei Opfer identifiziert und zwei Verdächtige festgenommen.

Um der Tätergruppe ihre Straftaten nachzuweisen, haben die rumänischen Polizeibeamten und die Staatsanwaltschaft mit der Polizei und den Justizbehörden aus Österreich, Zypern, Deutschland und Großbritannien zusammengearbeitet.

Ermittlungen haben ergeben, dass der Haupttäter bereits 2012 kriminelle Verbindungen in Rumänien und nach Österreich, Deutschland, Zypern, in die Schweiz und in die Türkei aufgebaut und eine kriminelle Organisation für Zuhälterei, Menschenhandel, Schmuggel und Geldwäsche gebildet hatte.

Seit 2012 wurden 28 Frauen, die vorwiegend aus einem sozial schwierigen Umfeld stammten und in armen Verhältnissen lebten, hauptsächlich durch die Loverboy-Methode rekrutiert und europaweit zur Prostitution gezwungen wurden. Den Opfern wurde damit gedroht, dass sie ihre Schulden zurückzahlen müssen. Weitere Nötigungs- und Erpressungsgründe waren auch minderjährige Kinder, die aus der Lebensgemeinschaft mit den Tätern stammten und die bei den Verwandten der Gruppierungsmitglieder aufwuchsen. Wenn sich die Frauen weigerten weiterzuarbeiten, den Menschenhändlern geforderte Geldbeträge nicht übergaben, den Erwartungen nicht entsprachen oder sich an die Polizei wandten, wurde physische oder psychische Gewalt auf die Opfer ausgeübt, manchmal auch während Schwangerschaften.

Die Gruppierungsmitglieder verkauften darüber hinaus auch die Opfer innerhalb der Gruppierung weiter, die Beträge beliefen sich auf 5.000 bis 8.000 Euro.

Bei einer Frau aus der Republik Moldau besteht außerdem der Verdacht, dass sie von Mitgliedern der Tätergruppe im Juli 2019 mit einer rumänischen ID-Karte, die vorher von der Inhaberin als verloren gemeldet wurde, in den Schengen-Raum gebracht wurde.

Um die Herkunft der Einnahmen zu verschleiern, betrieben der Haupttäter und seine Familienmitglieder ein Familienunternehmen. Weitere Ermittlungen ergaben, dass unter diesem Firmendeckmantel auch weitere illegale Geschäfte mit Gold aus der Türkei liefen. Des Weiteren besteht der Verdacht dass sie Falschgeld (Britische Pfund) in den Verkehr gebracht haben.

Der illegale Gewinn, der durch die begangenen Straftaten erzielt wurde, wird auf rund 1.115.000,- Euro geschätzt.

Artikel Nr: 17883 vom Freitag, 15. Mai 2020, 14:55 Uhr
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