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Suchtmittelkriminalität 2021 weiter rückläufig

Innenminister und Bundeskriminalamt präsentierten den Suchtmittelbericht 2021: Delikte um 13,6 Prozent zurückgegangen, leichter Anstieg im Bereich der schweren Suchtmittelkriminalität.

"Der Rückgang der Anzeigen bestätigt die konsequente Polizeiarbeit im Bereich der Suchtmittelkriminalität in ihrer Gesamtheit, vom Besitz kleiner Mengen illegaler Drogen bis hin zur organisierten Kriminalität. Wesentlich sind dabei internationale Vernetzung und Zusammenarbeit der Polizei- und Zollbehörden. Der Kontrolldruck wird nach wie vor aufrechterhalten", sagte Innenminister Gerhard Karner im Rahmen der Pressekonferenz.
Laut Suchtmittelbericht 2021 ist die Zahl der Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 13,6 Prozent auf 34.837 Fälle gesunken. Das ist die niedrigste Zahl seit 2015. Bei den Verbrechen gab es jedoch einen leichten Anstieg um 0,6 Prozent auf 3.214 Fälle. Bemerkbar blieb auch 2021, dass sich das Verhalten seitens der Hersteller, Verkäufer und Konsumenten weiter an die außergewöhnliche Situation der Covid-19-Pandemie angepasst hat.

Sichergestellte illegale Suchtmittel

2021 wurden unter anderem rund 72 Kilogramm Heroin, 81 Kilogramm Kokain, 2.100 Kilogramm an Cannabisprodukten, rund 53.000 Stück Ecstasy, 83,5 Kilogramm Amphetamin, 10,5 Kilogramm Methamphetamin sowie 181 Kilogramm Khat sichergestellt. Die Sicherstellungen zeigen, dass Cannabisprodukte in Österreich weiterhin dominieren. Die durchschnittlichen Großhandelspreise bewegten sich 2021 pro Kilogramm für Cannabis bei etwa 3.700 Euro, für Heroin bei 30.400 Euro, für Kokain bei 47.100 Euro, für Amphetamin bei 8.600 Euro und für Methamphetamin bei 36.900 Euro. 1.000 Stück Ecstasy kosteten rund 4.400 Euro.

Über die Tatverdächtigen

Die größte Gruppe der Tatverdächtigen war auch 2021 jene der 25- bis 39-jährigen (13.208 Personen). Die Altersgruppe der unter 18-jährigen befand sich auf einem Rekordtief (4.318 Personen). Die Anzahl der inländischen Tatverdächtigen steigt seit dem Jahr 2017 kontinuierlich moderat an. 2021 wurden 22.627 Anzeigen (68,6 Prozent) gegen inländische und 10.369 Anzeigen (31,4 Prozent) gegen fremde Tatverdächtige erstattet. Der Fremdenanteil ist sowohl bei den Verbrechens- als auch bei den Vergehenstatbeständen gestiegen, lag im Bereich der Schwerkriminalität mit rund 50 Prozent allerdings besonders hoch. Am häufigsten angezeigt wurden Personen aus Serbien, gefolgt von Deutschland, der Türkei und Afghanistan. Wie schon in den vergangenen Jahren führten serbische Tatverdächtige auch die Verbrechenstatbestände deutlich an. Die Tätergruppen aus dem Westbalkan stellen auch die größte Bedrohung bei polykriminellen Handlungen dar. Langfristig betrachtet werden aber auch vor allem afghanische Tatverdächtige vermehrt wegen Verbrechenstatbeständen angezeigt.

Tätigkeiten und Aufgabenschwerpunkte der Polizei

Die österreichischen Sicherheitsbehörden sind neben der direkten Bekämpfung der Suchtmittelkriminalität auch mit zahlreichen Begleitumständen konfrontiert, welche von Verwaltungsdelikten, wie Fahren unter Drogeneinfluss, über Beschaffungskriminalität bis hin zu organisierter Kriminalität reichen. Diese erstreckt ihr Betätigungsfeld auch auf Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Korruption sowie schwere Gewaltdelikte bis hin zu Mord. Die Tatausführungen sind immer stärker vom rasanten Wandel im Technologiesektor geprägt. Smartphones, Internet, Darknet, Online-Plattformen und Messenger-Dienste tragen die Suchtmittelkriminalität von der Straße in die Wohn- und Kinderzimmer. Daher ist die Polizei, aber auch der Gesetzgeber umso mehr gefordert, dieser Kriminalität mit ihren neuen Erscheinungs- und Kommunikationsplattformen mit aller Konsequenz und Entschlossenheit im nationalen und internationalen Umfeld professionell zu begegnen. Die Bekämpfungsstrategien der Europäischen Union, wie auch die Europol-Aktivitäten leisten hierbei wertvolle Unterstützung.

Online-Suchtmittelhandel und Postversand

Der Online-Suchtmittelhandel spielt weltweit, so auch in Österreich, eine wesentliche Rolle. Verstärkt hat dies nicht zuletzt die Covid-19-Pandemie. Die Drogen werden im Internet oder Darknet bestellt und mit Postdienstleistern versandt. Bereits 2018 wurde zur Bekämpfung dieser Deliktsform ein spezialisiertes Referat im Bundeskriminalamt eingerichtet. Seit Beginn 2020 werden die operativen Ermittlungen mit Schwerpunktkontrollen der Postwege kombiniert. Diese Kontrollmaßnahmen werden in enger Kooperation mit der österreichischen Zollverwaltung des Bundesministeriums für Finanzen durchgeführt. 2016 bis 2021 konnten so rund 17.000 Postsendungen mit Suchtmitteln aus dem Verkehr gezogen werden. Diese Sendungen enthielten insgesamt über 2.130 Kilogramm Suchtmittel, neue psychoaktive Substanzen (NPS) und andere psychotrope Stoffe, einschließlich 81.230 Stück Ecstasy-Tabletten sowie 943 Kilogramm Khat.

Zusammenfassung und Ausblick

Österreich kommt aufgrund seiner geografischen Lage große Bedeutung bei der Bekämpfung der international organisierten Suchtmittelkriminalität zu. Als Transitland und Umschlagplatz für illegale Drogen sowie Sitz verschiedenster multinationaler Tätergruppierungen steht es ständig den Herausforderungen einer effektiven Bekämpfung der Drogenkriminalität gegenüber. Im Speziellen treten Tätergruppierungen aus dem Westbalkan auf, denen ein besonderes Augenmerk gilt. Zukünftig wird auch der illegale Handel von Suchtmitteln im Darknet eine noch wichtigere Rolle spielen, unterstützt durch den Gebrauch von Messenger-Diensten und die Möglichkeit der Bezahlung mit virtuellen Zahlungsmitteln. Der Suchtmittelhandel ist in letzter Zeit auch vermehrt mit terroristischen Vereinigungen in Verbindung zu bringen. Nicht zuletzt deshalb wird das Innenministerium dieser besonderen Form der Kriminalität und ihrer Bekämpfung auch in Zukunft einen besonderen Schwerpunkt widmen.

Links:

Dokumente:

Präsentation des Suchtmittelberichts 2021 im Bundesministerium für Inneres
Foto: ©  BMI/Tuma

Artikel Nr: 19808 vom Donnerstag, 14. Juli 2022, 18:30 Uhr
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