Wirtschaftskriminalität

Geldwäscherei 2017: Zahl der Verdachtsmeldungen gestiegen

Im BK wurden 2017 insgesamt 3.820 Geldwäscheverdachtsfälle bearbeitet. Gestiegen sind vor allem Betrugs- und Steuerdelikte, als auch Fälle von Terrorismusfinanzierung. Neue Analysemethoden sollen zukünftig die Arbeit der Ermittler erleichtern.

2017 verzeichnete die Geldwäschemeldestelle im BK insgesamt 3.820 Eingänge, was einer Steigerung innerhalb eines Jahres um 35 Prozent entspricht. In 3.058 Fällen handelte es sich um konkrete Geldwäscheverdachtsmeldungen. Der Großteil der Meldungen – exakt 2.976 – stammte von Banken. Die restlichen Meldungen erfolgten in geringer Zahl von Notaren (20 Meldungen), Versicherungen (17 Meldungen) und Rechtsanwälten (15 Meldungen). In Österreich sind nicht nur bestimmte Berufsgruppen zur Erstattung von Meldungen an die Geldwäschemeldestelle verpflichtet. So wurden 2017 auch insgesamt 77 Hinweise und Sachverhalte von anderen Behörden der Geldwäschemeldestelle gemeldet. 2017 war neben einem Anstieg der Meldungen, auch ein sprunghafter Anstieg von 36 auf 53 rechtskräftige Verurteilungen aufgrund Geldwäscherei (gemäß § 165 StGB) zu verzeichnen. Das ergibt ein Plus von 47 Prozent.

Betrugs- und Steuerdelikte als auch Terrorismusfinanzierung steigen
Die Verdachtsmeldungen werden durch die Meldestelle in Deliktsbereiche kategorisiert. Ein deutlicher Anstieg konnte 2017 bei Betrugsdelikten (1.787 Sachverhalte), im Bereich der Terrorismusfinanzierung (237 Sachverhalte) und bei Steuerdelikten (111 Sachverhalte) festgestellt werden. In 279 Fällen war keine eindeutige Zuordnung zu einem konkreten Deliktsbereich möglich.

Internationaler Austausch und neue Technologien
In 458 Fällen leitete die Geldwäschemeldestelle einen internationalen Schriftverkehr ein, um nähere Informationen zu den übermittelten Sachverhalten und den gemeldeten Firmen oder Personen einzuholen. Das entspricht einem Anstieg von 54 Prozent und bestätigt die Notwendigkeit des internationalen Austausches und der Vernetzung. Eine weitere Herausforderung stellen die rasanten Entwicklungen der Technologie dar, die zu neuen Missbrauchsmöglichkeiten und Kriminalitätsphänomen führen. Eine nachhaltige Bekämpfung ist daher nur mit Einsatz neuer Analysetechniken, vermehrtem Personaleinsatz und intensiver Fortbildung möglich. Genau das war und ist der Arbeitsschwerpunkt der Geldwäschemeldestelle.

Das Phänomen "HAWALA"
Der Begriff HAWALA wird häufig als Transfer von Geldern ohne aktuelle Geldbewegung beschrieben. Es ist ein weltweit verbreitetes informelles Transaktionssystem und basiert auf gegenseitigem Vertrauen, das auf gemeinsamem sprachlichem, ethnischem und religiösem Hintergrund beruht. Generell wird es häufig von Personen in Entwicklungs- und Krisengebieten für Rücküberweisungen in die Heimatländer in Anspruch genommen. Auf diese Weise können Gelder rasch und anonym transferiert werden. In Österreich wird das System besonders im Bereich des Suchmittelhandels und der Schlepperei genutzt. Dem HAWALA-System wird in Zeiten erhöhter Terrorgefahr auch aus Sicht der Geldwäsche- und Terrorismusbekämpfung größere Aufmerksamkeit geschenkt.

Über den Lagebericht Geldwäscherei
Der jährlich erscheinende Bericht enthält eine kurze Darstellung der wesentlichen Änderungen der gesetzlichen Grundlagen zur Geldwäschebekämpfung in Österreich sowie statistisches Material zu den Aktivitäten der Geldwäschemeldestelle. Neue Entwicklungen werden vorgestellt und einzelne Fälle besprochen. Abschließend erfolgt ein Ausblick der geplanten Maßnahmen.

Dokumente:

Artikel Nr: 16120 vom Freitag, 3. August 2018, 08:00 Uhr
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