Statistik & Berichte

Trotz Rückgang der Personenaufgriffe bleibt Schleppereibekämpfung Herausforderung

Obwohl die Aufgriffe von illegal aufhältigen und geschleppten Personen als auch von Schleppern 2017 in Österreich erneut zurückgegangen sind, bleiben die Grenzsicherung und die Bekämpfung der illegalen Migration eine große Herausforderung für Europa. Das bestätigt der Lagebericht "Schlepperei 2017".

"Immer noch sind es Schlepper, die maßgeblich die illegale Migration nach Europa steuern, und es sind nicht die Hilfsbedüftigsten, die deren Dienste gegen Geld in Anspruch nehmen", sagt Innenminister Herbert Kickl. Deshalb stehe der konsequente EU-Außengrenzschutz und das damit verbundene Austrocknen des Schleppergeschäfts im Fokus der österreichischen Ratspräsidentschaft. "Die in intensiver internationaler Zusammenarbeit erzielten Erfolge Österreichs in Kampf gegen die Schlepperei sind wichtige Schritte", lobt Kickl die im vorliegenden Bericht dokumentierten polizeilichen Operationen.

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 27.753 Personen aufgegriffen. Das bedeutet gegenüber 2016 mit 50.848 aufgegriffenen Personen einen Rückgang von 45,4 Prozent. Die Zahl der Schlepper sank von 249 (2016) auf 222 (2017), die Zahl der geschleppten Personen nahm von 27.850 (2016) auf 8.994 ab. Bei der Zahl der rechtswidrig Eingereisten bzw. Aufhältigen gab es eine Verringerung von 22.749 (2016) auf 18.537 Personen (2017). Die meisten festgestellten Grenzübertritte nach Österreich erfolgten aus Italien (7.475 Personen), gefolgt von Deutschland (3.770 Personen) und Ungarn (3.389 Personen).

2017 waren zwei verschiedene Routen relevant für Österreich: Geschleppt wurde einerseits über die "Western Balkan Route", die von Pakistan und Afghanistan durch den Iran in die Türkei, weiter über Bulgarien oder Griechenland Richtung West-, Zentral und Nordeuropa führt. Auf dieser Route werden vorwiegend syrische, afghanische und pakistanische Migranten geschleppt. Bei der zweiten Route versuchen Migranten vom Ausgangspunkt in Libyen auf dem Seeweg über Italien nach Westeuropa zu gelangen. Überwiegend handelt es sich um Personen aus Nigeria, Marokko, Gambia, Algerien und Somalia.

Kriminalpolizeiliche Maßnahmen

Aufgrund der großen Migrationsbewegung 2015 wurde 2016 im Bundeskriminalamt (BK) das Joint Operational Office (JOO) gegründet. Seit seinem zweijährigen Bestehen hat es sich zu einer zentralen Ermittlungsdrehscheibe in der Bekämpfung der internationalen Schlepperkriminalität entwickelt. Das JOO ist der verlängerte operative Arm von Europol mit dem Ziel, international noch enger zusammenzuarbeiten und einen raschen Informationsaustausch rund um die Uhr sicherzustellen. Die Ermittlungstätigkeiten des JOO konzentrierten sich entlang der Balkan- und der zentralen Mittelmeerroute. Neben der Planung und Durchführung von Operationen und dem raschen weltweiten Informationsaustausch rund um die Uhr werden im JOO auch tagesaktuelle Lagebilder zur Analyse der Migrationsströme und Schlepperaktivitäten erstellt.

Ausblick

Lybien ist weiterhin das am häufigsten gewählte Transitland für die illegalen Reisebewegungen der Migrantinnen und Migranten auf ihrem Weg Richtung Europa. Alle nordafrikanischen Staaten, insbesondere Tunesien und Marokko, stehen vor der Herausforderung ihre Grenzen gegen illegale Migration in Richtung Europa abzusichern. Erste Anzeichen von Überfahrten über das Mittelmeer Richtung Spanien lassen den Trend erkennen, dass die westlichen Maghreb-Staaten zu einem nächsten Hotspot der illegalen Migration werden könnten.

Über den Bericht

Der Jahresbericht Schlepperkriminalität soll einen Gesamtüberblick über die organisierte Schlepperei beziehungsweise die illegale Migration geben. Der Bericht basiert auf Daten von durchgeführten Amtshandlungen und gliedert sich im Wesentlichen in einen Berichts- und in einen Statistikteil.

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Artikel Nr: 16069 vom Donnerstag, 26. Juli 2018, 14:00 Uhr
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